Montag, 4. September 2017

du fällst so schnell

es ist egal, wie sehr ich sterbe, genug gestorben bin ich nie. mein schmerz ist nicht greifbar, scheine ihn nicht in worten ausdrücken zu können, auch nicht in taten.
ich tue so weh! sage ich und zeige ich.
ich weiß, ich weiß doch! sagen sie.
aber niemand scheint es wirklich zu wissen. es fühlt sich nicht so an. auch wenn so viele voller so viel mitfühlen sind. ich tue mehr weh, als ich je beschreiben könnte. als ich je schneiden könnte. als ich je sterben könnte.
ich will, dass sie alle meinen schmerz sehen.
ich will so tief schneiden, so viel trinken, so viel tabletten schlucken und hungern und sterben sterben fast sterben, bis sie ihn sehen, bis sie ihn fühlen.
zwangsgedanken. du musst du musst du musst musst musst!
nachts liege ich wach und atme die decke an.
es bringt mir nichts. es bringt mir nichts. nichts wäre genug. nur verlorene zeit. selbst wenn ich mich jetzt schneiden würde, würde ich heulen solange ich nicht auf die notaufnahme komme und wie lange soll das schon reichen. beim nächsten mal nicht mehr. beim nächsten mal reichen nicht nur äußere stiche. ich will innere. ich will mir den arm amputieren. ich will nicht mehr atmen können vor schmerz. ich will unendlichen schmerz.
ich will, dass sie alle sehen, wie unfassbar weh ich tue. wie viel schmerz in mir drin ist, so so viel schmerz.

Montag, 31. Juli 2017

one day

als ich in der dritten klasse war, habe ich mich das erste mal bewusst von der welt entfernt. ich fand es unangenehm und beängstigend. ich rollte mich zusammen und wartete, bis es vorbei war.
dann ging ich zu meinem bruder und sagte "ich war gerade in einer traumwelt. hast du so was auch manchmal?"
"ja, ich hab so was auch manchmal", sagte er. ich lächelte erleichtert und ging wieder in mein zimmer. dann war es wohl normal und ich musste keine angst haben.
ich versuchte, es zu kontrollieren. es gelang mir nicht. auf die idee, mit irgendwem darüber zu reden, kam ich nicht. kommunikation war in unserer familie noch nie eine stärke und probleme sind nicht zu gebrauchen. ich hatte eigene verrückte erklärungen. zum beispiel, dass ich in echt gar nicht lebte oder eine entführte elfe war oder oder oder.
innerhalb meiner versuche, die dissoziativen zustände zu kontrollieren, bemerkte ich, wann und wie die dissoziationen sich verstärkten.
einmal war ich auf einer sportfreizeit. ich wollte nicht essen, weil ich essgestört war. ich wollte lieber die ganze zeit sport machen und abnehmen. ich wurde angeschrien. ich musste sitzen bleiben und aufessen, was mir vorgesetzt wurde. sie machten mir angst. ich fand, dass sie mich hassten. ich wollte nach hause. ich musste mit ihnen im auto fahren. es war immer voll in dem lieferwagen, wir saßen zusammengequetscht und ich dachte, dass alle mich hassen. es lief ein ganz bestimmtes lied. und ich beamte mich einfach weg.
wie damals, wie immer. es war so schön, einfach und schmerzlos.
ab da beamte ich mich immer weg.
es war 2010.
das lied war auf englisch, ich konnte kein englisch. aber das war auch nicht wichtig. zuhause sang ich die ganze zeit dieses lied rauf und runter. viele viele jahre blieb es in meinem kopf und ich verband es mit dieser erinnerung, wie ich im auto aß voller angst und scham und die melodie mich davontrug.
(ich dachte ich hätte eine magische gabe, die mich wegbeamen kann)
2015 beschloss ich, den songtitel des liedes herauszufinden, das ich nach 2009 nie wieder gehört hatte. ich erinnerte mich an die melodie, mit meinen zusammengereihmten wörten und suchte einige wochen mehrere chartslisten durch, hörte mir jedes lied an, bis ich "mein lied" fand. ich bin unglaublich aufgeregt durchs ganze haus gesprungen und wusste nicht- wusste nicht- wie kann ich ausdrücken, was dieses lied mir bedeutet, wie dieses lied mir geholfen hat.
also behielt ich es einfach für mich.

Dienstag, 4. April 2017

entwurf vom 01.02.2017

depression ist scheiße, dafür sind die tage umso schöner, an denen man für einige lichtblicke atmen, spüren, genießen kann. und vielleicht sollte ich den ganzen schulstoff der letzten monate nachholen, vielleicht sollte ich X oder Z tun oder nicht tun -
aber darauf kann ich keine rücksicht nehmen.
im moment will ich einfach nur so viele lichtblickmomente sammeln wie möglich ohne rücksicht auf irgendwas, will jede sekunde mit meinen freunden genießen, will es genießen wie ich es liebe ihre stimme zu hören, will mein ganzes geld ausgeben für kurze momente der zufriedenheit, will alles atmen zulassen, das irgendwie möglich ist.
die dunkelheit kommt schon schnell genug. ständig. und auch dann werde ich mich (erst recht) nicht an irgendwelchen schulstoff setzen, mich vermutlich überhaupt nirgendwo hinsetzen, aber darauf kann ich keine rücksicht nehmen.
ich habe das recht, das leben so entspannt anzugehen wie irgendwie möglich. ich lasse mich nicht als "faul" abschreiben von menschen, die meine krankheiten nicht verstehen, die genervten blicke von mitschülern gehen mir am arsch vorbei und dass mein zeugnis schlecht ist sowieso.
was für euch der alltag ist kostet mich kraft die ich erst lernen muss wieder aufzubringen und was wisst ihr schon über mich außer dass ich nie etwas sage, ihr wisst nicht was ich geben würde um nicht mehr diese stumpfe leere zu fühlen, was ich geben würde um kraft zu haben, (und ihr wisst auch nicht von den schwärzesten schwarzen tagen) wie verdammt schwer es sein kann nur zu atmen, wie soll ich da bitte in die schule gehen ohne zusammenzubrechen, ihr wisst nichts nichts nichts und ich lasse mich nicht als faul abschreiben.
ihr kämpft meine kämpfe nicht.

Freitag, 24. März 2017

entgegengesetzt

triggerwarnung.

ich will klingen in meine haut rammen, ich weiß nicht wie ich den sommer aushalten soll, ich weiß nicht wie ich den letzten sommer ausgehalten habe. ich will klingen in meine haut rammen. ich habe keine klingen mehr. ich habe auch keine lust, nächste woche bei sommerlichen temperaturen langärmelig oder mit verband herumzulaufen, ich habe auch keine lust, nach erklärungen zu suchen. ich will klingen in meine haut rammen. ich will nicht schlafen, ich will nicht träumen, ich will nicht aufwachen. manchmal will ich einfach nur noch weg sein. weg weg weg.

Mittwoch, 22. März 2017

jammerpost

ich bin ja nicht blöd, ich will mir ernsthaft nicht das leben nehmen und ich will auch nicht wieder so viel drama machen und mit krankenwagen und polizei auf die geschlossene gebracht werden und ich würde auch gerne schlafen können ohne beruhigende todesgedanken. ich bin ja nicht blöd, ich weiß, dass ich nicht sterben will und dass ich tage durchheulen werde, wenn ich die therapie abgebrochen habe und das alles, was am ende bleibt, ich selbst bin.
und ich verzweifele. ich habe panik. ich habe angst vor der endlosen antriebslosigkeit, der müdigkeit, der erschöpfung von nichts. ich sitze in der schule herum und kann mich nicht dazu bringen, das arbeitsblatt vor mir auf dem tisch auch nur anzurühren, ich will viel lieber ins bett, ich will schlafen. und ich hasse gruppenarbeiten und wie soll ich das in worte fassen, sorry, ich bin ein bisschen faul, blöd und unmotiviert, seid bitte nicht enttäuscht.
und ich verzweifele. an den erinnerungen. die ich in jedem schritt finde, in gerüchen, in stimmen, in narben, worten, fotos. ich verzweifele, weil ich verwirrt bin, weil man mich verwirrt, weil man nicht erklärt, weil man mir die worte verbietet.
ich habe keine kraft für die schule, für die klausuren, dabei mag ich meinen jahrgang und meine lehrer so gerne, ich wünschte ich müsste das nicht verlieren. ich habe keine kraft generell. ich will klavier spielen oder einfach nur mal wieder was schreiben, ich will die ganzen hobbys zurück, die ich aufgegeben habe, als die müdigkeit kam. ich bin verzweifelt, weil etwas auf mir drauf sitzt und alle kraft aus mir zieht.
ich dissoziiere seit der klinik ständig. vielleicht ist es letztlich auch nur die jahreszeit und die ekelhafte wärme, die ich nicht aushalten kann. es ist anstrengend und beängstigend, nach wie vor, und ich kann mich weiterhin nicht ohne hilfe von außen (körperkontakt, körperreize etc.) daraus lösen.
außerdem hasse ich meine therapie, ich hasse hasse hasse sie, weil sie schrecklich wehtut und ich das nicht aushalten kann und nicht annehmen will. aber ich habe mein herz an diese therapeutin gehängt und habe so ungemein viel erreicht und gelernt.
mir geht es gut, wenn es mir schlecht geht. nur dann bin ich richtig entspannt. wenn ich weiß und spüre, dass es mir schlecht geht. alles andere ist beängstigend.
ich kriegs halt irgendwie nicht hin. ich bin ja nicht blöd, ich will mir ernsthaft nicht das leben nehmen, aber warum tut mein leben mit jedem tag einfach nur noch mehr weh.

Mittwoch, 8. Februar 2017

im freien fall

bitte helft mir kurz, eine entscheidung zu treffen.
ich beschreibe kurz die momentane lage, zähle pros und contras auf und ihr helft mir diese klinikscheiße zu entscheiden.

ich hatte ja echt die hoffnung, das hinter mir zu haben, aber nun gut.
ich wiege nicht mehr 36 kilo und frage mich gerade, wieso zum fick hab ich eigentlich überhaupt angefangen zu essen, wenn jetzt alles umsonst war??? aber gut. egal.
momentan sieht es so aus.
ich kann keine verantwortung für mich übernehmen, wenn man sich nicht um mich kümmert, tue ich es auch nicht. im alltagsstress hat man nicht die zeit, sich so intensiv um mich zu kümmern, wie ich es nötig hätte. ich habe auch keine worte, auszudrücken, was ich will und könnte es vor mir selbst nicht verantworten, verantwortung zu übernehmen. (lol)
meiner mama geht es zurzeit durch private gründe auch wirklich nicht gut, im gegensatz zu mir ist sie aber stark und kümmert sich trotzdem noch wo sie kann, geht zur arbeit, schmeißt den haushalt und so weiter. sie hat nicht die kraft und die zeit, sich um mich zu kümmern.
ich bin momentan leider wieder an einem punkt, wo ich komplett jeden bezug zu mir verloren habe. alles ist sinnlos, ich sehe keine zukunft, keinen ausweg, erlaube mir nicht zu trinken, esse bis mir schlecht ist, schnippel am körper rum, laufe vor autos, blabla.
ich kann nicht in die schule gehen. es funktioniert nicht mehr. überragende fehlstunden. keine konzentration, keine energie. ständig breche ich irgendwo zusammen, weil das leben sich viel zu anstrengend anfühlt es meistern zu können.
ich gebe ganz offen zu, nicht stark zu sein. absolut überhaupt nicht. ich esse vielleicht, nehme tonnen zu, aber das macht nichts besser, es füttert nur meinen selbsthass.

ich will ungerne in eine klinik. erstens habe ich angst vor neuen dingen, neuen menschen etc. ich denke, man kann sich daran gewöhnen. ich müsste die stufe wiederholen, neue lehrer, neue menschen, noch ein weiteres jahr in der schule hocken. okay. dann ist das vielleicht so.
aber das schlimmste ist, dass ich meine therapie pausieren müsste. meine mutter ist ganz doll wütend und enttäuscht, weil sie der meinung ist, dass frau dr. T. alles nur noch viel schlimmer gemacht hat und sie will unbedingt, dass ich die therapie abbreche und stationär gehe und danach eine andere therapeutin suche.
ich hänge ganz unglaublich an frau dr. T., habt ihr ja mitbekommen. und ja, ich hänge ein bisschen zu sehr an ihr. aber das hat seine gründe. und ich kann mir einfach nicht vorstellen, wochen oder monate ohne frau dr. T. zu sein, ich will mir das einfach nicht vorstellen.
ich weiß einfach gar nicht überhaupt nicht was ich tun soll.
hier zuhause geht alles den bach runter (ja auch nicht erst seit gestern), man kann mich nicht tragen, aber ich weiß nicht, ich weiß einfach nicht ob ich das kann, in eine klinik gehen.
ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, kann mir bitte jemand helfen, ich weiß nicht weiter verdammte scheiße. :(

Samstag, 28. Januar 2017

was ich mir wünsche

eines tages will ich leben können, wirklich wahrhaftig uneingeschränkt leben können, das ist mein größter wunsch. nicht die art von leben mit dem suizid noch in der hintertasche. nicht die art von leben um den rückfall vier monate später schon zu planen. die art von leben, in der man seine klingen wegschmeißen kann, weil man sie nie wieder brauchen will und wo man nicht einmal auf die idee kommt, über die straße zu laufen, obwohl gerade autos fahren.
ich möchte abschließen mit den krankheiten, ich möchte mir erlauben sie gehen zu lassen und ein leben ohne sie aufzubauen.
ich weiß, dass das ganz große ziele sind, die ich nicht in diesem jahr oder nächsten jahr erreichen werde. aber ich kann mich auf den weg machen. damit ich es nicht noch weiter hinauszögere.
natürlich ist es hart. unglaublich. verdammt. schrecklich. hart.
aber ich weiß, wofür ich kämpfe. und ich will so unbedingt dahin.

Samstag, 7. Januar 2017

mein leben ist zu hässlich geworden, um es noch in schöne worte zu packen.

Dienstag, 20. Dezember 2016

denn ich bin ein abgrund (tw)

und dann weinend zusammenbrechen. keinen schritt weiter. keinen schritt weiter nach unten. das halte ich nicht aus. ich versuche, zur schule zu gehen, aber ende auf der beheizten bank in der eingangshalle und bewege mich die nächste halbe stunde keinen zentimeter.
dieser körper. ist so unmenschlich schwer. dass ich ihn nicht mehr aufrichten will.
und ich bin so müde. einfach nur so müde.
ich nehme den nächsten bus zurück nach hause, die kälte frisst sich in die knochen, ich zittere wie verrückt und bin unsicher, ob diese beine mich nur noch einen meter weit tragen. sie tun es.
zuhause falle ich ins bett, schlafe fast vier stunden und wache davon auf, dass ich kreislaufprobleme bekomme. interessant.
ich halte mich an meinen essplan und esse alles und noch mehr. bis mir schlecht ist. und ich akut suizidal bin. weil ich vergessen habe außerhalb der anorexie weiterzuleben. weil ich vergessen habe, dass es anderen lebenssinn gibt, als zahlen auf waagen und sich immer mehr verlieren. (und behaupten, noch irgendwo die kontrolle zu haben, irgendwo.)
der hunger überdeckt alles. aber dann bin ich einmal satt und mir ist unglaublich schlecht und ich merke plötzlich, wie traurig ich bin. how deeply deeply sad. ich würde gerne zur therapeutin und sie zumüllen mit meinen gedanken, aber ich wüsste nicht einmal, was ich sagen soll.
ich glaube, die anorexie hat mein gehirn aufgefressen, weil irgendwie ergibt alles keinen sinn mehr und ich kann mich nicht konzentrieren und denken generell nicht.
ich überlege oft, die therapie abzubrechen, weil es mir angst macht. alles macht mir angst. aber diese therapie ist meine letzte chance, ich bin müde, meine therapeutin ist zu viel halt, als dass ich ohne sie bestehen könnte. ich weiß nicht, ob irgendwas an diesem text sinn ergibt, gott ich bin so müde. ich bin ein abgrund. ich kann symptomatik hochziehen und mich dahinter verstecken, tausend mal, aber am ende bin ich wieder nur am anfang. ich kann aufhören zu essen, ich kann aufhören zur schule zu gehen, ich kann den körper immer und immer wieder über seine grenzen bringen und darauf hoffen, irgendwann endlich tot zu sein.
und gott therapiearbeit ist so scheiße anstrengend und schwer und es tut so weh und ich will nur kotzen und mich auf die straße legen damit es aufhört so grausam wehzutun aber
wie soll ich jemals leben lernen, wenn ich mich ständig therapieunfähig mache. ich muss aushalten, was wehtut. ich muss da durch gehen. ich muss ganz fest daran glauben, dass ich etwas sein kann, auch wenn dieser körper nicht meiner ist und diese welt nicht meine ist und ich muss daran glauben, dass ich bestehen (lernen) kann.

Donnerstag, 3. November 2016

no time for nothing

was mich wütend oder traurig oder beides macht. wenn sie zusammenhänge und ursachen erkennt, die ich in all den jahren noch nie gesehen habe. oder verdrängt. but it's okay.
schule läuft vor sich hin. die klausurenphase ist mit den händen zu fassen und ich bin gespannt, wie sich das auf mich auswirkt. ich habe prioritäten gesetzt und ein bisschen rumverlagert, damit ich die phase vielleicht einmal überstehen kann. gesund ist das auf jeden fall nicht. aber ich bin ja auch nicht gesund. und wenn es zeit braucht, dann braucht es zeit. ich habe massiven druck destruktiv zu sein. aber auch das kann man aushalten.
von tag zu tag zu tag zu tag. von deutschstunde zu deutschstunde, von therapiesitzung zur nächsten, von den herbstferien zu den weihnachtsferien. ich beschränke mein denken einzig und allein darauf. es ist kein platz für rittersportsammeln mit clara, für berliner nächte mit der lebensretterin, fürs schreiben. es ist schwer, alles, irgendwie. prioritäten setzen. clara und die lebensretterin gehören zu den wichtigsten menschen in meinem leben, aber. es ist zu viel, irgendwie.
ich schlafe, ich bin in der schule, ich schlafe, ich lese bücher für die schule, ich mache therapiekram, ich mache hausaufgaben, ich schlafe, ich schlafe, ich schlafe. ich bin der müdeste mensch.
und dann bin ich manchmal doch destruktiv
oder ein heulendes süchtiges kind 
das sich die traurigkeit wegnebeln will.
but it's okay.
es wird ja auch irgendwann wieder besser werden. 

Freitag, 28. Oktober 2016

i'm only human

wie es mir geht, werde ich gefragt, was ich jetzt so mache. manchmal überlege ich, wie ehrlich ich darauf antworten soll. es bleibt dann meistens bei einem "gut gut" und "die schule, abi und so, ne."
und in mir drin die angst, sie könnten die wahrheit in meinen augen ablesen. dabei hab ich das lügen genauso perfektioniert wie das unsichtbarsein.
die wahrheit ist, mir geht es nicht gut gut und die schule läuft den bach runter. wie es eben immer bei josi ist. seit jahren. es gibt nichts neues zu erzählen, ich renne durchs leben ohne anzuhalten, bin immer auf der suche nach dem superlativ, empfinde zu heftig oder zu wenig, es hat sich nichts geändert.
ich habe kein leben. ich rede davon, mich aufgeben zu wollen und habe es doch schon längst getan. die schule zerfließt zwischen meinen händen, seit jahren unfähig, den arsch hochzubekommen und was zu tun. das mit dem abi lassen wir mal in den sternen stehen, bisher verschwindet das wort hinter leeren tablettenschachteln. not sorry for nothing. ich hungere mich hin und her, schneide mich zwischendurch ein bisschen, kann nicht schlafen, auch das ist nichts neues.
ich rede die ganze zeit davon, ich müsste noch weniger platz einnehmen und noch weniger platz einnehmen und noch weniger sein -
dabei rede ich kaum, esse ich kaum, schreibe ich kaum, selbst atmen tue ich langsam. ich habe keine hobbies, treffe mich nicht mit meinen freunden, ab und zu mal mit clara. das haus verlasse ich nur, um zur therapie und zur nachhilfe zu gehen. alleine bekomme ich nichts auf die reihe. den vormittag verbringe ich in der schule, wenn ichs hingeschafft habe, ansonsten im bett. den nachmittag verbringe ich im bett. oder auf meinem schreibtischstuhl. dabei bade ich in meinem selbstmitleid, plane suizide, bin zwanghaft as fuck und der meinung, noch immer viel zu viel platz einzunehmen.
das ist mein leben, das ist mein verdammtes leben, ich bin sechzehn jahre alt und mache den ganzen tag lang nichts außer scheiße drauf zu sein. 
dann hangele ich mich von datum zu datum und schreibe ein paar texte zwischendurch und esse eine zeitlang viel zu viel und dann wieder zu wenig und vergesse zur schule zu gehen und vergesse zu essen und geh kaputt an meiner aufmerksamkeitsgeilheit. wie immer. 
aber. ich bin dabei zu ändern. ganz langsam. vorsichtig. und auf keinen fall dauerhaft, denn dazu bin ich noch viel zu traumatisiert. es ist der schokokeks zwischen frühstück und mittagessen. es ist um 10:30 schon aufzustehen. es ist der versuch, die straße ohne realitätsverlust oder panikattacke hinunterzulaufen. es ist, sich durch die matheaufgaben zu arbeiten und prioritäten zu setzen. und dann gibt es tage, da wird mir schon vom wort "schule" übel, da will ich nie wieder essen anfassen, da habe ich suiziddruck oder angstzustände. aber es geht im moment nicht um heilung, noch nicht, natürlich nicht. der winter kommt und er wird einziehen in meinem herzen, wie jedes jahr, weil ich es so will, weil ich mich jeden tag neu fürs sterben entscheide, weil ich nicht anders kann.
aber ich bin dabei zu ändern. damit ich eines tages einen winter überstehen kann, ohne ihn in meinen körper zu holen.

Montag, 10. Oktober 2016

weiter nach unten

ich bin müde und dann irgendwie auf dem fahrrad und dann irgendwie auch in der schule, aber so unendlich weit weg von allem. heute ist kein "ich gebe auf mich acht"-(schul)tag. 
chemie ist der einzige kurs, den ich zusammen mit glitzer habe und etwas anderes erfreuliches als glitzer erwartet mich da auch nicht. wir sitzen in der letzten reihe neben den beiden vielzuehrgeizigen mädchen, die sich über radioaktivität und formeln unterhalten. wie sehr ich auch versuche, mich zu konzentrieren, jeder gedanke führt ins leere. glitzer starrt schon die ganze zeit ihr handy an.
ich denke darüber nach, wie ein mensch so unglaublich schön und kaputt gleichzeitig sein kann. für mich passt das nicht zusammen, entweder das eine oder das andere. wenn man kaputt ist, ist man nicht mehr schön. wer sieht sich schon gerne scherben an. und glitzer schafft es, beides zu sein. ich werde fast noch müder von dieser erkenntnis. es geht immer noch weiter nach unten, einen boden gibt es nicht.
ich lehne meinen kopf an glitzers schulter, atme ihren vertrauten geruch ein und schaue ihr beim whatsappen zu. um uns herum menschen, die über chemie reden und dazwischen wir, sehr still, sehr müde, sehr vertraut in dieser müdigkeit.
"ich werde nach den ferien in stationäre behandlung gehen", sagt sie dann.
ich atme weiter, voguezigaretteledererdbeerparfüm, ich schaue auf glitzers spiegelung im handydisplay, ich sage
"nach [psychiatrie A]?"
"keine ahnung, kann sein."
"okay" sage ich und mache die augen zu. einen boden gibt es nicht.

Sonntag, 9. Oktober 2016

i'd rather be high with you

 36,6
ich hätte mich selbst niemals sterben lassen
niemals
es war immer nur ein machtspiel
mein ganzes leben lang
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ich bin so schrecklich traurig. ich weiß nicht, warum. also fange ich an zu schreiben.
in worte fassen, was so sehr wehtut, irgendwann kommt man immer an ein ziel. die traurigkeit schreibt für mich und dann trägt sie einen namen und hat zwei beine und keine augen
und dann steht es vor mir, schwarz auf weiß. die traurigkeit nimmt es nicht davon.
nur sekunden später ist das leben unecht und ich nur eine traumfigur in irgendeinem geschehen. mein blick gräbt sich in die gegenüberliegende wand und alles was ich spüre, ist diese zerreißende traurigkeit. ab ins nirvana.
eine oreo milka schokolade und weitere schlaflose nächte darauf.
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ich hab da diesen freund. momentan herrscht funkstille zwischen uns, weil the supercool girlfriend josi schon wieder angst vor ihm bekommt. don't fucking touch me. und es ist so einfach, seinen freund zu vergessen, wenn er 6000 kilometer und 6 zeitstunden entfernt lebt. ich erinnere mich, wie verliebt ich war, in den sommerferien. but maybe i never felt inlove with you - maybe i felt inlove with my happiness. genauso erinnere ich mich, wie scheiße alles wehtat. (ich überlege, ob ich überdurchschnittlich viele schimpfwörter benutze und finde keine antwort auf diese frage. deswegen kreuze ich die 1 an). und dann bin ich zurück in deutschland und hier klebt die angst an den wänden und in diesem bett bin ich mindestens viermal gestorben und wieder aufgewacht und in meinem tagebuch schreibe ich über ganz andere liebe.
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manche dinge ändern sich nie, und was wenn sich nie etwas ändert außer den blättern an meinem kalender, fragte ich mich am 04.12.2015,
letztendlich ist alles nur verdrängung aber nie vergessen
13:28 uhr // ich will jemanden ganz anders lieben dürfen 
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vor mir liegt andré derains "im hyde park". das papier ist glatt. ich schicke die nachricht über whatsapp, aber er hat sein handy aus. ich denke an nichts mehr. zwischen den zeilen steht etwas von hoffnung, aber ich habe keine hoffnung auf ein "wir" mehr, ich will sie gar nicht haben. und es fühlt sich einfach nur gut an. 

Montag, 26. September 2016

knochen können brechen

(der wievielte post ist das jetzt, den ich anfange-)
der kreis schließt sich enger. irgendwann werde ich aufhören zu atmen. es ist die müdigkeit die sich über mich legt, damit ich mich nicht rechtfertigen muss. ich schaue der angst nicht in die augen, habe es noch nie getan.
ja, es ist verdammt viel angst da, aber ich bemerke es nur, wenn ich genau hinschaue. schlaflose nächte, seit wochen wochen wochen. immer wieder angstzustände und panikattacken in unterschiedlichen schweregraden, aber das kann man gut wegdrängen. nicht darüber nachdenken, dann ist es nicht einmal schlimm.
aber dann sitze ich vor meiner lehrerin und rede mit ihr über ärztliche bescheinigungen und ja, es ist verdammt viel angst da. so viel angst, dass ich lieber tot sein will, als mich vor diese klasse zu stellen. ist das jetzt ein schritt zurück oder habe ich einfach nur angst, weil das alles neu ist und ich seit meinem todesdatum keinen vortrag mehr gehalten habe? habe ich vielleicht gar keine angst davor sondern angst vor der angst, die ich damals spürte?
ich wäre gerne wieder magersüchtig, so richtig, denke ich, während die rittersportschokolade in meinen mund wandert. fett bist du geworden, josi. zehn kilo weg, dann musst du nicht einmal mehr den mund aufmachen, dann kann jeder ihn sehen, den schmerz. hach ja, wie schön wie schön.
ich bin verliebt ins sterben.
ich esse fleißig weiter alles, was in den mund passt.
alles andere ist verdammt anstrengend und atmen am meisten.
und schule erst.
aber ich gehe hin und ich habe auch lieblingsfächer und lieblingslehrer und lehrer, die zuhören und verdammt viele freistunden. und eine clara, die mir oft ein lächeln ins gesicht zaubern kann. it's magic.
meine therapeutin will, dass ich einen vertrag mit mir selbst abschließe. ich will aber nicht. ich will mir nicht selbst versprechen müssen, dass ich aufstehen und arbeiten und lernen und essen und atmen und brav sein muss. ich bin ohnehin nur noch eine woche bei ihr in therapie.
das erstgespräch scheint welten entfernt zu liegen. der 20. juni und ich bin an den 100 tagen verzweifelt. ich hatte keine ahnung, wie ich diese lange zeit überstehen sollte. jetzt sind es nur noch 10. ich hab angst, obwohl ich weiß, dass am anfang nicht einmal etwas passieren wird.
sie wird mir die krankheit nicht vom körper reißen. ich selbst auch nicht. von daher. 
so viel ist passiert in den 100 tagen und irgendwie auch nicht. aber keine zeit vergeht, ohne dass man nicht ein winziges bisschen über sich selbst lernt.
ich habe mir einen freund geangelt, herumidealisiert und vermeide seit mehr als zwei wochen jeden kontakt zu ihm. das klingt nach dem girlfriend, das sich jeder wünscht.
ich hoffe, dass meine müdigkeit mich die nächsten tage aufstehen lässt. ich habe klausuren. und man, es ist verdammt viel angst da und irgendwie tut das ziemlich weh, fuck.

Samstag, 27. August 2016

06 closing


(was soll ich sagen, jedes wort scheint falsch zu sein. ich kann das alles im moment nicht erklären, aber vielleicht finde ich die richtigen worte, wenn ich wieder auf blogger zurückkomme, wann auch immer das sein wird. wie ich mich kenne, schon sehr bald)