Freitag, 19. Januar 2018

hi(gh)

ich glaube, dass ich wieder mehr auf meinem öffentlichen blog schreiben möchte. falls das überhaupt wer lesen wird, kommentiert oder schreibt mir mal!

Montag, 18. Dezember 2017

freeze. 

fragment.

ich liege. es gibt einen großen knall, um mich herum zerspringt alles, ich kann nicht mehr atmen und schaue in meine eigene angst
ich weiß nicht mehr, wo ich bin
bin ich da oder bin ich hier?
ist hier sicher?
mein gehirn schafft es nicht, zu verknüpfen - alles wirbelt um mich herum in einer sinnlosen masse.

wenn ich den körper nicht sehe, habe ich angst zu verschwinden. ich versuche einzuschlafen, bevor die dunkelheit kommt. ich spüre mich nicht. im bremsen quietschender reifen springt meine angst auf mich zurück, der asphalt kommt näher und ich bin wieder im leben. wirklich verliebt war ich vielleicht nur in den tod.
ich suche meine scherben zusammen; das traumatisierte kind liegt auf dem boden und schreit. ich will es aus mir rausreißen. ich habe mir augen in den arm geschnitten und meine ganze traurigkeit hineingelegt- niemand wollte es sehen.
es gibt einen großen knall, um mich herum zersrpingt alles, ich kann nicht mehr atmen und schaue in meine eigene angst
freeze, flüstert das traumatisierte kind.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

leerstelle 2.0

wenn ich in der therapie in einen dissoziativen zustand rutsche, legt meine therapeutin immer ihren kopf schief, sagt meinen namen und rutscht ganz nah an die sesselkante.
meistens bin ich ganz ernsthaft und schlichtweg zu faul (oder vielleicht auch echt zu dramageil), um ihren anweisungen zu folgen, dissoziiere und lasse mich reorientieren.
reorientierung fühlt sich an wie aufwachen. kurze verwirrung darüber, wo und wer ich bin. ein mensch sitzt mir gegenüber, es ist meine therapeutin, mein blick ist vielleicht fragend, verwirrt oder ängstlich. sie schaut ruhig zurück, bis ich begreife, dass ich in der praxis und in sicherheit bin. müdigkeit und traurigkeit überrollen mich.
manchmal ist alles anstrengend. nervig. endlos.
ich bin kein ganzer mensch, ich bin ein viertelmensch, habe ich leise geflüstert.
nicht einmal etwas halbes. keine form, keine struktur, ein konstrukt aus angst.
ich bin ein vergessenes kind. ich bin unsichtbar. noch heute, noch immer. innen drin. die alten eingefrorenen gefühle, sie drücken von innen gegen und ich habe das gefühl zu zersprengen.
gefühle haben sich noch nie aushalten lassen. kein einziges.
ich bin nicht geboren worden, ich bin auf die welt gefallen.
im raum 110 in unserer schule hängt ein plakat übers menschsein. ich erfülle alle kriterien. aber ich habe mich noch nie wie ein mensch gefühlt. eher wie ein wesen, das aus versehen unter die menschen geraten ist und den weg nach hause vergessen hat. ein wesen ohne gesicht, für das es kein leben ohne gegenüber gibt. ein wesen das andere menschen aushöhlt, um sich ihre identität zu klauen und sie sich anzuziehen. unbemerkt. mechanismen, die ich noch nicht abstellen kann. in wahrheit leer und unbrauchbar. in wahrheit noch im fall, in wahrheit noch ein baby.
vieles ist nicht aushaltbar, vieles ist überflutend.
ein konstrukt aus angst.
das passiert, wenn man auf die welt fällt. irgendwie überlebt man trotzdem. 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

worte wären wichtig gewesen

ich dachte immer, was ein trauma ausmacht, das ist diese sprachlosigkeit. dass ich keine worte finde, dass kein existierendes wort ausreicht, um meinen schmerz zu beschreiben.
ich kann mich reinwickeln in jede art von symptomatik, ich kann sie wie decken um meinen körper legen. und die meisten werden nur in der symptomatik herumpieksen und niemals, niemals werden sie herausfinden, was für eine geschändete seele unter diesen decken liegt.
eine schöne vorstellung.
unschön wird es da, wo menschen tiefer pieksen. und mit den händen in diese kleinen piekslöcher greifen und reinschauen. und sehen. sehen sehen sehen. was niemals niemals irgendjemand sehen sollte.
mich.
meinen schmerz.
meine zerfetzte seele.
doch ich bin sprachlos dafür. ich zeige ihr bilder von sterbenden menschen, von gefolterten menschen, von schwer verwundeten menschen. den schmerz schneide ich mir in die arme, aber tief genug ist niemals irgendwas. in der schule breche ich zusammen, das hunderste mal. ein krankenwagen wird diesmal nicht gerufen.
"soll ich dir ein schild um den hals hängen, damit jeder weiß, dass es dir ja so unglaublich schlecht geht?" schreit mama mich zuhause an.
"ja, bitte", sage ich nicht, ich renne aus dem haus ohne worte.
ich will, dass jeder es weiß und jeder es sieht und man mir diesen schmerz wegnimmt. ich will wütend darüber sein, dass ich diesen schmerz habe. ich könnte jeden tag jedem menschen darüber erzählen, wie viel schmerz ich habe. und ich kann tagelang ununterbrochen reden über die vielen tage, die ich nicht gegessen habe und die vielen klingen, die ich zuhause unter teppichen verstecke und die kranken gedanken aus meinem kopf.
so habe ich annie kennengelernt. wir saßen auf der beheizten bank in der eingangshalle, es war mitte dezember, ich hatte hunger und ich war müde und eigentlich wollte ich dreimal um die schule laufen, um kalorien zu verbrennen die ich nicht einmal aufgenommen hatte. aber dazu kam es nie; wir fingen ein gespräch über psychische krankheiten an. und worüber rede und schreibe ich schon lieber als über meinen schmerz und jeden anderen schmerz, solange ich ihn mit meinem in verbindung bringen kann.
ich schreibe texte über missbrauch und niemand weiß, was davon mein eigener schmerz ist, den sieht man nur in den zwischenzeilen und auch nur die allerwenigsten, die selbst überhörten. und ich kann kann kann nicht aufhören.
ich drehe mich im kreis, seitdem ich geboren wurde. ich will einen schmerz mit namen. ich will entführt werden oder vergewaltigt oder ein messer in den bauch bekommen, wie es doch ständig irgendwo passiert. und dann will ich weinen darüber und wissen, worüber ich weine.
ich will logik. keine verwirrung, keine überschneidungen, keine verschwommenheiten und unsicherheiten.
aber mein schmerz pocht namenlos im schädel. und ich kann einfach nicht aufhören, mir die arme aufzuschneiden, in irgendeiner armseligen hoffnung, dass der schmerz irgendwo leiser wird. und ich kann einfach nicht aufhören, meinen schmerz zu umweben, meine symptomatik ins kleinste detail vor anderen auszubreiten, von den schlaflosesten nächten und den zerschnittesten armen und bekifftesten gedanken zu erzählen.
wie soll ich mich ausdrücken, wenn kein wort meinen schmerz beschreibt. und er ist dunkel und schwarz unter den ganzen decken, in denen ich mich verstecke.