Dienstag, 20. Dezember 2016

denn ich bin ein abgrund (tw)

und dann weinend zusammenbrechen. keinen schritt weiter. keinen schritt weiter nach unten. das halte ich nicht aus. ich versuche, zur schule zu gehen, aber ende auf der beheizten bank in der eingangshalle und bewege mich die nächste halbe stunde keinen zentimeter.
dieser körper. ist so unmenschlich schwer. dass ich ihn nicht mehr aufrichten will.
und ich bin so müde. einfach nur so müde.
ich nehme den nächsten bus zurück nach hause, die kälte frisst sich in die knochen, ich zittere wie verrückt und bin unsicher, ob diese beine mich nur noch einen meter weit tragen. sie tun es.
zuhause falle ich ins bett, schlafe fast vier stunden und wache davon auf, dass ich kreislaufprobleme bekomme. interessant.
ich halte mich an meinen essplan und esse alles und noch mehr. bis mir schlecht ist. und ich akut suizidal bin. weil ich vergessen habe außerhalb der anorexie weiterzuleben. weil ich vergessen habe, dass es anderen lebenssinn gibt, als zahlen auf waagen und sich immer mehr verlieren. (und behaupten, noch irgendwo die kontrolle zu haben, irgendwo.)
der hunger überdeckt alles. aber dann bin ich einmal satt und mir ist unglaublich schlecht und ich merke plötzlich, wie traurig ich bin. how deeply deeply sad. ich würde gerne zur therapeutin und sie zumüllen mit meinen gedanken, aber ich wüsste nicht einmal, was ich sagen soll.
ich glaube, die anorexie hat mein gehirn aufgefressen, weil irgendwie ergibt alles keinen sinn mehr und ich kann mich nicht konzentrieren und denken generell nicht.
ich überlege oft, die therapie abzubrechen, weil es mir angst macht. alles macht mir angst. aber diese therapie ist meine letzte chance, ich bin müde, meine therapeutin ist zu viel halt, als dass ich ohne sie bestehen könnte. ich weiß nicht, ob irgendwas an diesem text sinn ergibt, gott ich bin so müde. ich bin ein abgrund. ich kann symptomatik hochziehen und mich dahinter verstecken, tausend mal, aber am ende bin ich wieder nur am anfang. ich kann aufhören zu essen, ich kann aufhören zur schule zu gehen, ich kann den körper immer und immer wieder über seine grenzen bringen und darauf hoffen, irgendwann endlich tot zu sein.
und gott therapiearbeit ist so scheiße anstrengend und schwer und es tut so weh und ich will nur kotzen und mich auf die straße legen damit es aufhört so grausam wehzutun aber
wie soll ich jemals leben lernen, wenn ich mich ständig therapieunfähig mache. ich muss aushalten, was wehtut. ich muss da durch gehen. ich muss ganz fest daran glauben, dass ich etwas sein kann, auch wenn dieser körper nicht meiner ist und diese welt nicht meine ist und ich muss daran glauben, dass ich bestehen (lernen) kann.

Donnerstag, 3. November 2016

no time for nothing

was mich wütend oder traurig oder beides macht. wenn sie zusammenhänge und ursachen erkennt, die ich in all den jahren noch nie gesehen habe. oder verdrängt. but it's okay.
schule läuft vor sich hin. die klausurenphase ist mit den händen zu fassen und ich bin gespannt, wie sich das auf mich auswirkt. ich habe prioritäten gesetzt und ein bisschen rumverlagert, damit ich die phase vielleicht einmal überstehen kann. gesund ist das auf jeden fall nicht. aber ich bin ja auch nicht gesund. und wenn es zeit braucht, dann braucht es zeit. ich habe massiven druck destruktiv zu sein. aber auch das kann man aushalten.
von tag zu tag zu tag zu tag. von deutschstunde zu deutschstunde, von therapiesitzung zur nächsten, von den herbstferien zu den weihnachtsferien. ich beschränke mein denken einzig und allein darauf. es ist kein platz für rittersportsammeln mit clara, für berliner nächte mit der lebensretterin, fürs schreiben. es ist schwer, alles, irgendwie. prioritäten setzen. clara und die lebensretterin gehören zu den wichtigsten menschen in meinem leben, aber. es ist zu viel, irgendwie.
ich schlafe, ich bin in der schule, ich schlafe, ich lese bücher für die schule, ich mache therapiekram, ich mache hausaufgaben, ich schlafe, ich schlafe, ich schlafe. ich bin der müdeste mensch.
und dann bin ich manchmal doch destruktiv
oder ein heulendes süchtiges kind 
das sich die traurigkeit wegnebeln will.
but it's okay.
es wird ja auch irgendwann wieder besser werden. 

Freitag, 28. Oktober 2016

i'm only human

wie es mir geht, werde ich gefragt, was ich jetzt so mache. manchmal überlege ich, wie ehrlich ich darauf antworten soll. es bleibt dann meistens bei einem "gut gut" und "die schule, abi und so, ne."
und in mir drin die angst, sie könnten die wahrheit in meinen augen ablesen. dabei hab ich das lügen genauso perfektioniert wie das unsichtbarsein.
die wahrheit ist, mir geht es nicht gut gut und die schule läuft den bach runter. wie es eben immer bei josi ist. seit jahren. es gibt nichts neues zu erzählen, ich renne durchs leben ohne anzuhalten, bin immer auf der suche nach dem superlativ, empfinde zu heftig oder zu wenig, es hat sich nichts geändert.
ich habe kein leben. ich rede davon, mich aufgeben zu wollen und habe es doch schon längst getan. die schule zerfließt zwischen meinen händen, seit jahren unfähig, den arsch hochzubekommen und was zu tun. das mit dem abi lassen wir mal in den sternen stehen, bisher verschwindet das wort hinter leeren tablettenschachteln. not sorry for nothing. ich hungere mich hin und her, schneide mich zwischendurch ein bisschen, kann nicht schlafen, auch das ist nichts neues.
ich rede die ganze zeit davon, ich müsste noch weniger platz einnehmen und noch weniger platz einnehmen und noch weniger sein -
dabei rede ich kaum, esse ich kaum, schreibe ich kaum, selbst atmen tue ich langsam. ich habe keine hobbies, treffe mich nicht mit meinen freunden, ab und zu mal mit clara. das haus verlasse ich nur, um zur therapie und zur nachhilfe zu gehen. alleine bekomme ich nichts auf die reihe. den vormittag verbringe ich in der schule, wenn ichs hingeschafft habe, ansonsten im bett. den nachmittag verbringe ich im bett. oder auf meinem schreibtischstuhl. dabei bade ich in meinem selbstmitleid, plane suizide, bin zwanghaft as fuck und der meinung, noch immer viel zu viel platz einzunehmen.
das ist mein leben, das ist mein verdammtes leben, ich bin sechzehn jahre alt und mache den ganzen tag lang nichts außer scheiße drauf zu sein. 
dann hangele ich mich von datum zu datum und schreibe ein paar texte zwischendurch und esse eine zeitlang viel zu viel und dann wieder zu wenig und vergesse zur schule zu gehen und vergesse zu essen und geh kaputt an meiner aufmerksamkeitsgeilheit. wie immer. 
aber. ich bin dabei zu ändern. ganz langsam. vorsichtig. und auf keinen fall dauerhaft, denn dazu bin ich noch viel zu traumatisiert. es ist der schokokeks zwischen frühstück und mittagessen. es ist um 10:30 schon aufzustehen. es ist der versuch, die straße ohne realitätsverlust oder panikattacke hinunterzulaufen. es ist, sich durch die matheaufgaben zu arbeiten und prioritäten zu setzen. und dann gibt es tage, da wird mir schon vom wort "schule" übel, da will ich nie wieder essen anfassen, da habe ich suiziddruck oder angstzustände. aber es geht im moment nicht um heilung, noch nicht, natürlich nicht. der winter kommt und er wird einziehen in meinem herzen, wie jedes jahr, weil ich es so will, weil ich mich jeden tag neu fürs sterben entscheide, weil ich nicht anders kann.
aber ich bin dabei zu ändern. damit ich eines tages einen winter überstehen kann, ohne ihn in meinen körper zu holen.

Montag, 10. Oktober 2016

weiter nach unten

ich bin müde und dann irgendwie auf dem fahrrad und dann irgendwie auch in der schule, aber so unendlich weit weg von allem. heute ist kein "ich gebe auf mich acht"-(schul)tag. 
chemie ist der einzige kurs, den ich zusammen mit glitzer habe und etwas anderes erfreuliches als glitzer erwartet mich da auch nicht. wir sitzen in der letzten reihe neben den beiden vielzuehrgeizigen mädchen, die sich über radioaktivität und formeln unterhalten. wie sehr ich auch versuche, mich zu konzentrieren, jeder gedanke führt ins leere. glitzer starrt schon die ganze zeit ihr handy an.
ich denke darüber nach, wie ein mensch so unglaublich schön und kaputt gleichzeitig sein kann. für mich passt das nicht zusammen, entweder das eine oder das andere. wenn man kaputt ist, ist man nicht mehr schön. wer sieht sich schon gerne scherben an. und glitzer schafft es, beides zu sein. ich werde fast noch müder von dieser erkenntnis. es geht immer noch weiter nach unten, einen boden gibt es nicht.
ich lehne meinen kopf an glitzers schulter, atme ihren vertrauten geruch ein und schaue ihr beim whatsappen zu. um uns herum menschen, die über chemie reden und dazwischen wir, sehr still, sehr müde, sehr vertraut in dieser müdigkeit.
"ich werde nach den ferien in stationäre behandlung gehen", sagt sie dann.
ich atme weiter, voguezigaretteledererdbeerparfüm, ich schaue auf glitzers spiegelung im handydisplay, ich sage
"nach [psychiatrie A]?"
"keine ahnung, kann sein."
"okay" sage ich und mache die augen zu. einen boden gibt es nicht.

Sonntag, 9. Oktober 2016

i'd rather be high with you

 36,6
ich hätte mich selbst niemals sterben lassen
niemals
es war immer nur ein machtspiel
mein ganzes leben lang
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ich bin so schrecklich traurig. ich weiß nicht, warum. also fange ich an zu schreiben.
in worte fassen, was so sehr wehtut, irgendwann kommt man immer an ein ziel. die traurigkeit schreibt für mich und dann trägt sie einen namen und hat zwei beine und keine augen
und dann steht es vor mir, schwarz auf weiß. die traurigkeit nimmt es nicht davon.
nur sekunden später ist das leben unecht und ich nur eine traumfigur in irgendeinem geschehen. mein blick gräbt sich in die gegenüberliegende wand und alles was ich spüre, ist diese zerreißende traurigkeit. ab ins nirvana.
eine oreo milka schokolade und weitere schlaflose nächte darauf.
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ich hab da diesen freund. momentan herrscht funkstille zwischen uns, weil the supercool girlfriend josi schon wieder angst vor ihm bekommt. don't fucking touch me. und es ist so einfach, seinen freund zu vergessen, wenn er 6000 kilometer und 6 zeitstunden entfernt lebt. ich erinnere mich, wie verliebt ich war, in den sommerferien. but maybe i never felt inlove with you - maybe i felt inlove with my happiness. genauso erinnere ich mich, wie scheiße alles wehtat. (ich überlege, ob ich überdurchschnittlich viele schimpfwörter benutze und finde keine antwort auf diese frage. deswegen kreuze ich die 1 an). und dann bin ich zurück in deutschland und hier klebt die angst an den wänden und in diesem bett bin ich mindestens viermal gestorben und wieder aufgewacht und in meinem tagebuch schreibe ich über ganz andere liebe.
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manche dinge ändern sich nie, und was wenn sich nie etwas ändert außer den blättern an meinem kalender, fragte ich mich am 04.12.2015,
letztendlich ist alles nur verdrängung aber nie vergessen
13:28 uhr // ich will jemanden ganz anders lieben dürfen 
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vor mir liegt andré derains "im hyde park". das papier ist glatt. ich schicke die nachricht über whatsapp, aber er hat sein handy aus. ich denke an nichts mehr. zwischen den zeilen steht etwas von hoffnung, aber ich habe keine hoffnung auf ein "wir" mehr, ich will sie gar nicht haben. und es fühlt sich einfach nur gut an. 

Montag, 26. September 2016

knochen können brechen

(der wievielte post ist das jetzt, den ich anfange-)
der kreis schließt sich enger. irgendwann werde ich aufhören zu atmen. es ist die müdigkeit die sich über mich legt, damit ich mich nicht rechtfertigen muss. ich schaue der angst nicht in die augen, habe es noch nie getan.
ja, es ist verdammt viel angst da, aber ich bemerke es nur, wenn ich genau hinschaue. schlaflose nächte, seit wochen wochen wochen. immer wieder angstzustände und panikattacken in unterschiedlichen schweregraden, aber das kann man gut wegdrängen. nicht darüber nachdenken, dann ist es nicht einmal schlimm.
aber dann sitze ich vor meiner lehrerin und rede mit ihr über ärztliche bescheinigungen und ja, es ist verdammt viel angst da. so viel angst, dass ich lieber tot sein will, als mich vor diese klasse zu stellen. ist das jetzt ein schritt zurück oder habe ich einfach nur angst, weil das alles neu ist und ich seit meinem todesdatum keinen vortrag mehr gehalten habe? habe ich vielleicht gar keine angst davor sondern angst vor der angst, die ich damals spürte?
ich wäre gerne wieder magersüchtig, so richtig, denke ich, während die rittersportschokolade in meinen mund wandert. fett bist du geworden, josi. zehn kilo weg, dann musst du nicht einmal mehr den mund aufmachen, dann kann jeder ihn sehen, den schmerz. hach ja, wie schön wie schön.
ich bin verliebt ins sterben.
ich esse fleißig weiter alles, was in den mund passt.
alles andere ist verdammt anstrengend und atmen am meisten.
und schule erst.
aber ich gehe hin und ich habe auch lieblingsfächer und lieblingslehrer und lehrer, die zuhören und verdammt viele freistunden. und eine clara, die mir oft ein lächeln ins gesicht zaubern kann. it's magic.
meine therapeutin will, dass ich einen vertrag mit mir selbst abschließe. ich will aber nicht. ich will mir nicht selbst versprechen müssen, dass ich aufstehen und arbeiten und lernen und essen und atmen und brav sein muss. ich bin ohnehin nur noch eine woche bei ihr in therapie.
das erstgespräch scheint welten entfernt zu liegen. der 20. juni und ich bin an den 100 tagen verzweifelt. ich hatte keine ahnung, wie ich diese lange zeit überstehen sollte. jetzt sind es nur noch 10. ich hab angst, obwohl ich weiß, dass am anfang nicht einmal etwas passieren wird.
sie wird mir die krankheit nicht vom körper reißen. ich selbst auch nicht. von daher. 
so viel ist passiert in den 100 tagen und irgendwie auch nicht. aber keine zeit vergeht, ohne dass man nicht ein winziges bisschen über sich selbst lernt.
ich habe mir einen freund geangelt, herumidealisiert und vermeide seit mehr als zwei wochen jeden kontakt zu ihm. das klingt nach dem girlfriend, das sich jeder wünscht.
ich hoffe, dass meine müdigkeit mich die nächsten tage aufstehen lässt. ich habe klausuren. und man, es ist verdammt viel angst da und irgendwie tut das ziemlich weh, fuck.

Samstag, 27. August 2016

06 closing


(was soll ich sagen, jedes wort scheint falsch zu sein. ich kann das alles im moment nicht erklären, aber vielleicht finde ich die richtigen worte, wenn ich wieder auf blogger zurückkomme, wann auch immer das sein wird. wie ich mich kenne, schon sehr bald)

Mittwoch, 24. August 2016

krieg' ich das irgendwie hin

irgendwann kommst du beim hungern an einen punkt, an dem du einfach nicht mehr kannst. der körper hat keine lust mehr. du siehst mehr schwarz und bunte punkte als irgendetwas anderes. morgens beim aufstehen musst du erst einmal minutenlang sitzen, bevor du aufstehen kannst und selbst dann musst du dich an der wand abstützen. der erste gang führt auf die waage, nachdem möglichst jedes gramm vom oder aus dem körper ist. all das wird kräftezehrend. der strenge essplan, den du dir selbst gibst, der irgendwann einfach keine energie mehr beinhaltet, alles ist nur noch scheinessen, nur noch lügen. das doch nie gegessene essen, das in deinen taschen und schränken anfängt zu gammeln. deine kraft reicht für gar nichts mehr, du kannst nur noch im bett herumliegen. und du weißt, wenn du jetzt nichts änderst, wirst du nie etwas ändern.
ich habe ein paar mal über diesen punkt hinausgelebt. ich weiß, was mich dahinter erwartet und ich kann aufrichtig sagen, dass ich nicht dahin zurückwill. die depression geht mit der magersucht hand in hand. wie soll es auch anders sein, wenn alle lebensqualität aus deinem leben genommen wird, weil du nur noch im bett herumliegen kannst und dein magen sich anfühlt, als würde er sich selbst aufessen?
ich weiß, dass es nicht mehr so viele kilo wären, bis ich mein tiefstgewicht eingeholt hätte. ich weiß, dass ich mit den kilos nicht nur kilos verlieren würde, sondern alles, was ich mir das letzte halbe jahr so unglaublich hart erkämpft habe. ich habe nie an ein leben "nach der essstörung" geglaubt, doch ich habe es bekommen, ich fühlte mich im märz sogar absolut essstörungsfrei. ich kann dieses leben (mein leben!) nicht wegschmeißen, nicht mehr.
ich bin an diesem punkt, an dem ich einfach nicht mehr kann. einen weg nach unten gibt es immer, es geht immer noch ein stückchen tiefer und noch ein stückchen tiefer, aber wie tief kann ich sinken (ohne zu ertrinken)? ich kann mich jetzt entscheiden, ob ich diesen hässlichen dunklen weg weitergehe und die kommenden schmerzen auf mich nehme. ob ich das horrorjahr 2014 noch einmal durchleben will. oder ich kann mich umdrehen und sagen: "that is not how my story is going to end."
ich weiß, dass auch dieser weg hart sein wird. aber auch schön und richtig und bunt. niemand müsste vor angst sterben um mich. ich würde zurück ins leben treten. ich weiß, dass es am anfang unerträglich sein wird. ich weiß, dass ich wieder weinen werde nach dem essen und mich nach klingen verzehre und auch ein paar tage sterben will. aber das hört auf. und ich werde nicht aufhören, diesen weg zu gehen, weil ich selbst weiß, wie schön es ist, wie unglaublich schön, essstörungsfrei zu sein.
nur, weil ich anfange, mehr zu essen und die essstörung vielleicht sogar loslassen kann, bin ich immer noch krank. da ist mein durchritualisiertes und verzwangtes leben, da sind noch immer die angststörungen, die alles wiedermal hundertfach kompliziert machen, meine unfähigkeit mich abzugrenzen, der perfektionismus. ich will ein leben führen, das schön ist und manchmal verzweifele ich daran, weil ich meine eigenen erwartungen nie erfüllen kann. denn 100% perfekt kann niemand erreichen, auch ich nicht, niemals. aber das sind gründe, die tiefer liegen und auch diese magersucht wird sie nicht aus der welt schaffen. 
ich muss mir nicht beweisen, dass ich noch einmal 37kg wiegen könnte, denn ich weiß es. und ich weiß auch, dass ich viel lieber leben will, als noch einmal 37kg zu wiegen. ich spüre jetzt schon jeden knochen, dass es fast eklig ist (aber nur fast). 37kg ist kein gewicht, das ich mit einem glücklichen erfüllten leben vereinbaren kann, dabei wünsche ich mir so sehr ein glückliches erfülltes leben. und es ist auch egal, wer vor mir schon bmi 10 erreicht hat und es mit seinem leben vereinbaren konnte, letztendlich lässt sich so was auch nicht mehr leben nennen.
ich habe so viel unterstützung. ich habe unter anderem eine wunderbare sprachmemo von neonglück, die ich mehrmals gehört habe, weil sie so viel beruhigung in meine aufgewühlte hungerangst gibt. das hier ist ein kampf, den ich gewinnen kann und gewinnen würde, wenn ich wollte.
und ich bin bereit zu kämpfen. heute heute heute. und jetzt. 

Samstag, 20. August 2016

immer im kreis, immer im kreis

september 2015. klassenfahrt. ich sitze auf der grünweiß gestreiften bettdecke in einer abgeranzten jugendherberge. der geruch meiner selbstgemachten müsliriegel erfüllt den raum. alle, die uns besuchen kommen, regen sich darüber auf. aber es ist das einzige "safe" essen, das ich noch besitze. die haferflocken, die ich mir mitgenommen habe, esse ich morgens mit wasser. ein paar tage später esse ich nur noch das wasser. ein halber müsliriegel, das ist alles, was ich mir erlaube. im internet habe ich gelesen, dass wunden nicht verheilen, wenn man dem körper nichts zuführt. wenn meine wunde nicht verheilt, darf ich keinen sport machen. es ist ein zwiespalt. also mache ich trotzdem sport. der arzt, der meine svv wunde behandelt, ist sowieso blöd. ich habe angst vor ihm. ich glaube, ich bin ihm egal. aber er ist nur eine randfigur im geschehen.
ich esse nicht mehr als 100 kalorien am tag und wiege nur wenige kilo über der klinikgrenze. der leidensdruck wird mit jedem tag stärker. die magersucht ist mächtig. ich sehe über kreislaufprobleme, ausfallende haare und panikattacken hinweg. diese tränen gehören nicht zu mir. ich kann am wenigsten essen, ich kann am schnellsten laufen, ich kann am weitesten rennen. diese tränen gehören nicht zu mir. ich bin stärker als ihr alle, seht mich doch an, seht mich fallenfliegen. und ich bin es auch, die am meisten zusammenbricht, die mitten in der nacht auf dem flur steht und um sich haut und schreit, weil sie alles nicht mehr aushält. ich bin es auch, die von nun an unter beobachtung essen muss und es trotzdem nicht tut. der wunsch ist wie immer der gleiche, umzukippen. es passiert nicht. es passiert einfach nicht. //

Montag, 15. August 2016

ERINNERUNGEN


It's everywhere I look from Las Vegas, to right here
Under your dresser, right by your ear
It's creeping in sweetly, it's definitely here
There's nothing more deadly, than slow growing fear

die luft riecht nach 2014, obwohl es noch nicht einmal winter ist. ich atme. das triggert so extrem, ich bin schon gar nicht mehr da. ich will mich zu einer kleinen kugel zusammenrollen und nur noch heulen, die erinnerungen stürzen auf mich ein.
es ist der tag, nachdem ich in der schule umgekippt bin. (ich weiß alle daten noch, selbstverständlich, aber ich verzichte mal auf sie.=) mama und ich sind beim arzt, wir schweigen uns an bis wir ins ärztezimmer aufgerufen werden.
mama sagt: "meine tochter ist magersüchtig."
ich zucke zusammen und starre den boden an.
"ah ja", sagt die ärztin und seufzt. dann fragt sie, seit wann, blablabla. ich antworte kurz, ich lüge viel. danach werde ich gewogen. mit klamotten und nach dem frühstück 39,3kg fuck so viel, sie wird dich für einen fake halten
mama schreit: das war schon mal viel weniger!!!
die ärztin sagt, ich soll nach hause gehen und meine sachen packen, sie würde mich jetzt in die klinik einweisen. letztendlich werde ich nicht in eine klinik gehen und nicht meine sachen packen.
mama sagt: sie schafft das auch so. (eine glatte lüge, ich will es gar nicht schaffen.)
das ultimatum: mindestens 45kg, unter 40kg klinik, unter 36kg krankenhaus. letztendlich wird es jedem egal sein, wie viel ich wiege und zu den wiegeterminen werde ich nur noch sporadisch erscheinen.

ich höre meine schritte, die über den schnee knirschen, ich spüre die leere in meinem bauch und der geschmack nach nichts in meinem mund. ich erinnere mich an das abschlussessen in der schule 2014, ich pelle umständlich eine mandarine und lasse sie letztendlich in meinen taschen verschwinden. ich fühle mich so stark und unbesiegbar. nachts gucke ich alle essstörungsvideos auf youtube durch. ich bin so stark und bis 33kg ist es auch nicht mehr weit.
meine täglichen stundenlangen fahrradtouren bis zum drogeriemarkt, wo ich mich mit abnehmmittelchen für die woche zudeckte und mir immer wieder waagen kaufte.
das gefühl morgens aufzuwachen und sich auf die waage zu stellen und ich weiß noch, die 37,7
wie ich am schreibtisch saß und die kalorien durchrechnete und meine freizeit damit zubrachte, kalorien von lebensmitteln und restaurants und mcdonalds zu vergleichen und säuberlich aufzulisten und essenscollagen zu erstellen und texte über essen zu schreiben.
wie schnell ich angetriggert wurde von jedem kleinsten scheiß und wie bitterlich ich geweint habe, weil alle aus meiner klasse dünner waren (herzchen, du warst die dünnste von allen!!!!).
und dann die essanfälle, die konsequenzen. die rapide zunahme. und ich alleine damit, weil keine meiner therapeutinnen sich ansatzweise mit essstörungen auskannte. (wozu hatte ich dann drei therapeutinnen *hah)
manchmal ist das alles nicht auszuhalten.
es tut so weh.
wie ich geheult habe, 80% des jahres kommen mir durchgeheult vor, nie gut genug, nie perfekt genug und immer zu fett fett fett. und dann der laufende widerspruch von allen seiten; du bist so dünn/so knochig/so dürr, du musst heute noch in die klinik, du stehst kurz vor dem tod, stark suizidgefährdet (...). aber auch: du warst eh immer ein bisschen zu gesund für klinik/die klinik hätte dir damals nicht geholfen ... [aber jemand anders mir auch nicht, deswegen bin ich noch immer essgestört, hallelujah]

Dienstag, 12. Juli 2016

josis allererstes treffen mit dem bohrer (zahnarzt)

ich habe zum allerersten mal in meinem leben "zwei winzige löcher" in meinen zähnen. irgendwie hatte ich diesen fakt aber verdrängt und war deshalb mehr als ein bisschen geschockt, als ich heute in der zahnarztpraxis aufschlug. ich dachte, fünf minuten prophylaxe, dann bin ich da wieder raus. aber nein. ich wurde an einen stuhl gefesselt, der raum war weiß, eine zahnärztin erklärte mir fröhlich, dass sie jetzt meine löcher füllen würde und schob mir ein weißes ding auf den mund, was schon mal die erste panikattacke verursachte. ich bekam zwei minuten zur beruhigung und starrte apathisch den einsamen luftballonaufkleber an der wand an.
"gehts wieder?"
"mhmh."
"sehr schön!"
dann fing sie an zu bohren.
die dumme josi bekam schon wieder eine panikattacke.
seufzen der zahnärztin.
entschuldigung meiner mutter, jaja es sind ihre ersten zwei löcher, wissen sie, ..
ich bin peinlich und weine, weil zwei komische weiße frauen über meinem mund hängen und sie mich vielleicht auch umbringen wollen. schmerzen, schwindel, erstaunlicher weise fühle ich absolut nichts. nichts nichts nichts. meine sicht wird unscharf, es ist ein bisschen wie eine traumreise mit offenen augen. das ist gut. lalala.
dann zieht ein atemberaubender schmerz durch meinen zahn (schlecht betäubt?!), ich reiße mir vor panik die haut an meiner hand auf und schlage mit dem fuß um mich ("nicht mit dem fuß schlagen!!! auf keinen fall mit dem fuß schlagen, sonst wackelt die ganze liege!!!").
ich fühle mich so scheiße, dumm und ungewollt, dass ich schon wieder heule. es tut mir so grausam leid für die zahnärztinnen, hallo, ich bin 16 und heule rum wie ein kleines kind. ich bin so peinlich peinlich peinlich.
"so, wir können den zweiten zahn auch noch machen, meinst du, du schaffst das?"
nein nein nein nein
"dann hast du's hinter dir", sagt meine mutter.
"mhm" mache ich apathisch, sie verstehen es als "ja", ich will wieder weinen, weil ich mich ungeliebt fühle, wieso nimmt mama mich jetzt nicht in den arm, ich will hier nicht mehr sein, hat sie mich nicht lieb, weil ich scheiße und peinlich bin?
es wird weitergebohrt, ich zähle luftballonaufkleber und sehe mama aus den augenwinkeln, meine fingernägel drücken sich in meine haut, aber ich spüre nichts von mir. wieder bin ich eine zeitlang extrem entspannt, ein paar zentimeter von dieser welt entfernt.
dann wie aus dem nichts die nächste panikattacke, ich bekomme keine luft mehr, heule rum und will mir diesen ganzen scheiß aus dem mund reißen. sicher hatten die heute noch nicht so einen scheißpatienten wie mich. aber interessiert mich auch nicht, die sitzen hier nicht auf dem stuhl und sterben tausend tode.
die zahnärztinnen sagen irgendetwas, von wegen, ob wir jetzt weitermachen können, ob es mir gut geht.
"josi?" fragt mama.
ich suche meine worte, ich finde sie nicht, ich bin so weit weg, ich glaube, ich kippe gleich um.
"josiii? alles gut?!"
panisch und orientierungslos irrt mein blick im raum umher, wie bewegt man die lippen, was macht man mit der zunge, wie erzeugt man worte? ich halte diesen scheiß hier nicht mehr aus.
ich lehne mich zurück in den stuhl, um den restmist über mich ergehen zu lassen. als ich endlich aufstehen darf, dauert es eine weile, bis ich alles begreife, was um mich passiert. ich trinke etwas und stehe vorsichtig auf, meine beine zittern so doll, dass ich das gefühl habe, nicht laufen zu können.
japp, das war mein phänomenales erlebnis des heutigen zahnarztbesuches. für niemanden eine freude. ich will nie nie nie wieder löcher haben und jetzt wird erstmal 20 jahre geschlafen. müde, zittrig, geschockt.

Dienstag, 28. Juni 2016

zehntes schuljahr

ich schwänze französisch, um im klassenraum hinterm schrank zu sitzen und die pissgelbe wand anzustarren.
alice kommt in den klassenraum, sie singt und bemerkt mich, als sie über mein knie stolpert. "huch, josi! schwänzt du französisch?"
ich nicke nur, ihre stimme verursacht kopfschmerzen, überhaupt jede stimme.
irgendwann stehe ich auf, setze mich wieder hin und stehe noch mal auf, weil ich meinen rucksack aus dem raum holen muss, wo wir grade französisch haben. es sind nur noch vier minuten bis unterrichtsschluss.
meine lehrerin merkt nicht einmal, dass ich gar nicht da war. ich schnappe mir meinen rucksack und will wieder gehen, aber das kriegt sie dann doch mit und drückt mich auf einen stuhl ("die paar minuten wirst du jetzt wohl noch durchhalten, aber hallo, jetzt geht's hier wohl los, mensch!").
clara sitzt neben mir, aber sie ist so weit weg. ich wünschte, ihre stimme wäre mir nicht zu anstrengend. jede stimme. aber bitte nicht ihre. nicht claras. kopf auf die arme und schlafen. eh alles egal jetzt. meine lehrerin schreit herum, damit ich irgendeinen blöden französischen satz vorlese, aber ich kann nicht, dann klingelt es und ich bin als erste draußen. niemand versteht meine müdigkeit. ich bin selbst schockiert davon, wie müde man sein kann.
in der nächsten stunde bekommen wir eine arbeit wieder, ich weiß, dass es nichts geworden ist. (zu müde zum lernen, seit tagen, auch wenn es wichtig wäre, das weiß ich doch selber.)
danach ein gespräch. mein lehrer ist total lieb, er will die arbeit nicht werten lassen (da es angeblich nicht zu vergleichen ist mit einer leistung, die ich hätte erbringen können, wenn ich wegen meiner psychischen labilität momentan nicht so eingeschränkt wäre), da meine versetzung allerdings wegen anderer fächer ausgeschlossen erscheint (sehr geil, josi, so macht man sich sein leben kaputt), wird es noch irgendeine große besprechung geben, damit ich nicht sitzen bleibe. mein armer klassenlehrer kriegt noch irgendwann einen herzstillstand wegen des ganzen stresses, den ich verursache. will ich doch gar nicht. glaube ich.
(und ich weiß nicht, wie richtig das ist, jetzt weiterzumachen. alle menschen, mit denen ich darüber geredet habe, sind der meinung, dass jetzt mal zeit für ne pause wäre. ich weiß selber, dass ich das bräuchte, weil es so nicht weitergehen kann. ich werde mein abitur unter diesen umständen nicht schaffen. ich werde versuchen mich umzubringen, ich werde mich umbringen wollen, weil ich meine ansprüche nie werde erfüllen können, ich weiß schon jetzt, dass ich sterben muss. ich muss nochmal über klinik nachdenken. es wäre auch förderlich, mal aus diesem umfeld herauszukommen. aber was auch immer ich entscheide, es wird nicht mehr in 2016 passieren. ich hoffe, ich komme durch die nächsten monate. erstmal bis oktober überstehen.)

übrigens habe ich jetzt einen privaten zweitblog.
wer eine einladung will, schickt mir einfach eine email an libellentrauma[at]gmail[dot]com.
aber ich nehme nicht jeden an. 

Sonntag, 26. Juni 2016

don't let me drown

ich mache mir vanille kokos - labello auf die lippen und reiße mir ein paar haare aus. ich bin unendlich irgendwas. für dieses gefühl wurde noch keine definition gefunden.
ich habe meinen körper zerstört, weil er über ein jahrzehnt lang leiden musste, ich habe meinen scheißkörper zerstört. es ist kein schönes gefühl. es ist das gefühl von scheiße, jetzt ist es passiert und du kriegst es nicht mehr weg.
ich weiß gar nicht, wie ich jetzt damit umgehen soll. ich mach die augen und die ohren zu und verdränge diesen fakt aus meinen gedanken. ich bin unsicher, ob es was ändern würde, wenn ich ändern würde. aber eigentlich auch egal, ich bin nicht stark genug dafür.
ich liege stundenlang auf dem sofa und dann im bett, mama kommt dreimal, einmal bringt sie mir einen espresso. ich esse frühstück, übelkeit, orangensaft, noch mehr übelkeit. ich kann nicht gut laufen, gleichgewichtsprobleme, beine tun komisch weh, aber kreislauf in ordnung.
ist mir dann auch egal und ich lege mich wieder ins bett.
ich nehme meine medikamente nicht, weil es keinen unterschied macht.
ich fühle mich nicht in der lage, irgendwelchen whatsappsmalltalk zu führen, verschicke ein paar wichtige nachrichten an wichtige menschen. danach geht es mir schlechter.
ich lese das letzte kapitel von "raum" zu ende (empfehlenswertes buch), ich höre musik, ich zähle die wochen bis ich nicht mehr fallen muss. ich schreibe morgen einen test, ich will nichtmal zur schule.
meine müdigkeit war so voraussehbar, dass es nichtmal wehtut, niemandem.

Freitag, 24. Juni 2016

sechsunddreißig grad und es wird noch heißer

leg dich nicht ins bett zurück, josi.
aber ich bin so müd-
du bist nicht müde. leg dich nicht wieder hin.
ich bin müde... 

aber was hilft es mir, wenn ich das leben jetzt wieder an mir vorbeiziehen lasse. ich kann nicht gut schlafen, bin schlaflos von der hitze, meine träume sind anstrengend. ich habe keinen appetit, vom essen wird mir übel, vom hungern bekomme ich panikattacken und starken realitätsverlust. 
die kollegen meiner mum sind freundlich zu mir, wenn ich mal wieder in ihrer arbeit auftauche und sie fragen schon längst nicht mehr, ob ich nicht eigentlich grade unterricht hätte. ich weiß nicht, was sie wissen.
clara sagt: josi, bleib doch bitte da, wir haben nur noch [das und das], es wird auffallen wenn du weg bist und dann...
diese schule bringt mich noch um.
niemand versteht meine logik. vielleicht ist meine logik logiklos. 
ich zerreiße mich selbst.
ich versuche mit aller macht, weiter zu leben, nicht zurück ins bett zu gehen, es sind nur noch vier wochen schule, dann sommerferien. sommerferien. pause. sechs wochen keine schule. nicht so viele gedanken an fr. dr. T. verschwenden. nicht. abstürzen. (ich habe eine verdammte angst vor der oberstufe, alles zählt fürs abi, da kann ich nicht eben 40 fehltage haben, ...).
ich halte mich an meiner "bis zu 2019"-liste fest, aber diese zahl ist so irreal, zweitausendneunzehn.

heute haben blogger und ich jubiläum, vor genau einem jahr habe ich meinen blog erstellt. und ich würde so gerne ganz viele worte darüber schreiben. ich bin dankbar für die vielen herzensmenschen, die ich hier (wieder)getroffen habe, ich bin dankbar für das treffen mit liv und das erste telefongespräch seit monaten mit achlys, ich bin dankbar für melodys riesiges geburtstagspaket, für annas motivationstext, für die vielen vielen sprachmemos und worte, die ihr mir geschenkt habt. ich bin so dankbar für eurer ganzes feedback, dafür, wie ihr mich seht und unterstützt. ich habe mit blogger eine kleine virtuelle wunderschöne welt gefunden.
und vielleicht wäre es auch übertrieben, jetzt noch etwas größeres zu schreiben. genießt den abend, ich leg mich jetzt ins bett.
<3

Freitag, 10. Juni 2016

you sit there stone-faced

 in manchen winzigen momenten denke ich, du könntest leben, wenn du nur wolltest -
und dann gibt es tage wie diese, an denen ich eine 6 in chemie schreibe - an denen ich erst drei panikattacken bekomme, bevor ich mich aus dem haus traue - an dem das spiegelbild zu fett und zu hässlich bleibt, egal was man tut, und die klamotten und die schminke stimmen nicht und die narben, dehnungsstreifen, blaue flecken, treiben einen zum wahnsinn und überhaupt, wie soll eine zukunft möglich sein?
ich nehme relativ brav meine medikamente (noch nicht so regelmäßig wie ich sollte, aber sehr) und habe mir eine schöne liste mit zielen geschrieben. die hängt in meinem zimmer. damit jeder, der vorbeiläuft, sie sehen kann und mama vielleicht auch ein bisschen erleichtert ist, dass ich nicht wieder am absoluten tiefpunkt bin.
ich meditiere zurzeit sehr oft oder so oft wie mein gehirn es zulässt (man könnte ja auch andere viel wichtigere dinge tun, mathe oder chemie oder physik lernen zum beispiel oder das buch in deutsch lesen oder sport machen oder - pausen sind auch wichtig!!!)
es ist schwer, in die schule zu gehen, aber ich habe nicht mehr die erlaubnis, auch nur 5 minuten vom unterricht wegzubleiben. glücklicherweise sehen das einige lehrer lockerer.
ich habe zum glück nur einen tag lang ~ nichts gegessen, weil sich jegliche symptome mit dem hungern verschlimmern (und ich glaube, dass macht kleinjosi extreme angst).
ich versuche zurzeit, mein leben in eine lebbare richtung zu lenken, weil ich mich schon wieder so eingeschränkt habe und absolut festgefahren in meinen ritualen bin. jetzt werde ich gleich die e-mail an eine potenzielle neue therapeutin abschicken.
spreading love <3

Mittwoch, 8. Juni 2016

dinge

I
die erkenntnis, dass ich noch immer nicht für mich lebe, sondern dafür, dass meine eltern ein unbeschwertes leben führen können. nach jedem streit falle ich. tief. und wofür aufstehen, wenn nicht für sie? warum sollte ich für mich aufstehen?

II
sportunterricht, 26 grad, draußen. jess und ich sind schon zum sportplatz hingejoggt. es war ihre idee. jetzt sollen wir uns 10 runden einlaufen. protest. aber ich gehöre nicht dazu. ich laufe einfach. ich laufe und laufe, immer schneller, ich laufe den ganzen schmerz weg, bis ich irgendwann taub bin und nichts mehr fühle. die mädchen habe ich längst abgehängt. ich nehme nichts wahr, ich laufe nur. ich will nichts mehr fühlen.
"alter, josi!" ruft irgendwer, eine hand an meinem arm, lass mich - 
"josi, dein schnürsenkel ist offen."
"danke, ich weiß."
"mach ihn zu."
"ich laufe." ich laufe schneller. ich bin verwundert über den besorgten unterton seiner stimme.
irgendwann ist es auch für mich an der zeit, stehenzubleiben. mir ist übel, ich kann mich kaum auf den beinen halten, aber die sportstunde hat noch nicht einmal begonnen. am ende ist mein sportlehrer stolz auf mich.

III
irgendwann die wage erkenntnis, dass man heute noch nicht viel mehr als traubenzuckerwasser gegessen hat. und zu viele stunden sport dem gegenüberstehen.

IV
ein streit mit meiner lebensretterin, es zerreißt mich so sehr, wann haben wir uns so entfremdet? wann bin ich wieder so gefühlskalt geworden?

V
gestern abend noch ein telefonat geführt, mein allererstes seit monaten(!), mit achlys - danke, es tat so gut, nicht alleine zu sein, es war wunderschön und wichtig. <3

VI
gestern war einer der schlimmsten tage des jahres, es kam alles zusammen, meine labilität mit der unverständnis meiner eltern und freunde, es war viel zu viel.

VII
ich vermisse m-

VIII
nach mathenachhilfe ahnungslos, verschwitzt und ungeschminkt auf dem fahrrad sitzen. die frisur löst sich aus dem gummiband. ich trage widerwillig eine kurze hose, nach sport ging es einfach nicht anders. ich fahre einen anderen weg als sonst und dann auch noch rebellisch auf der anderen straßenseite. ich wollte eigentlich zu dm, aber entschied mich mittendrin um und dachte, ich würde doch lieber zu rossmann. liegt auch auf der strecke nach hause. noch immer ahnunglos trete ich in die pedalen und sehe ein mädchen entgegenkommen. objektive betrachtung, groß, rote haare. erster gedanke: hübsch. näher anschauen. sie schaut mich auch an. ich schaue noch länger, dann trifft es mich wie ein schlag, ich mache eine scharfe bremsung und falle dabei fast vom fahrrad. sie ist es. sie ist es. sie ist es.
seit 2013 gab es nichts, was ich mir mehr gewünscht habe. ich wollte sie nur noch einmal sehen. ich hielt immer ausschau nach ihr, in jedem supermarkt, in jedem geschäft, überall. wir schafften es, uns am 27.08.2014 zu treffen, aber es flog auf. seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen. zwischen dem 08.06.2016 und dem 27.08.2014 liegt so viel. viel mehr als die 651 tage. viel mehr als die 10 kilo.
und heute treffe ich sie wieder. es ist einer dieser ganz ganz komischen zufälle, es ist so unrealisierbar, unfassbar, unwirklich. ich bestehe auf ein beweisselfie. ich habe noch nie freiwillig von mir aus mit meinem handy ein selfie gemacht. aber das muss sein.
ich denke, ich will sie nie wieder loslassen. es ist nicht das letzte mal, dass wir uns getroffen haben. ich bin glücklich. ich bin so glücklich, für ein paar stunden, sie ist noch immer 100% vertrautheit, auch wenn inzwischen viel fremdes zwischen uns steht. sie ist nicht das mädchen, das 2013 gegangen ist, sie hat sich verändert, aber ich mich auch. und ich denke, wenn ich könnte, ich würde ihre welt sofort wieder ganz machen.

IX
einen teller nudeln essen. weiter traubenzuckerwasser trinken.

X
noch immer planlos vom leben sein. aber vielleicht erstmal die nächsten zwei jahre irgendwie überstehen. und dann ausziehen. ganz groß und fett auf meiner liste: ausziehen. das alles hinter mir lassen, ich will mein eigener mensch werden. und alleine entscheiden, was ich mitnehmen will. und was nicht.


Dienstag, 31. Mai 2016

stumpfsinnig

ich denke: ich breche hier zusammen, ich kann hier nicht leben, ich muss hier weg.
aber das stimmt gar nicht. ich bin nur sehr sehr faul.
so faul, dass ich am liebsten den ganzen tag im bett liegen würde, anstatt zur schule zu gehen. aber da bin ich im moment sowieso nur sehr selten. wanderungen durch berlin, ich habe jetzt eine lieblingsbank und weiche dem blick meines klassenlehrers aus, wenn ich mich zu doppelmathe doch noch zur schule bemühe.
ich verhaue eine arbeit nach der anderen, weil mir der stoff von drei jahren schule fehlt, in denen ich pro halbjahr 20 - 40 fehltage hatte und nichts nachgeholt habe. mein klassenlehrer ist enttäuscht.
ich bin so faul, dass ich nichts mitschreibe, wenn ich mich denn mal zur schule bemüht habe und gespräche generell vermeide.
meine faulheit wird mir mein ganzes leben verderben. weiß ich.
meine versetzung ist gefährdet, mein klassenlehrer tut was er kann und die liebe josi: sitzt faul in der ecke und atmet luft aus staub. ich würde mich noch weniger mögen, würde ich mir selbst gegenüber sitzen und mir das ansehen müssen.
für freundschaften bin ich auch zu faul, wer braucht schon freunde, ich habe ein bett und ein kuscheltier (und keinen halt).
es ist so belastend, es ist immer nur alles und nichts. ich kann nicht für arbeiten lernen, das ist wirklich keine ausrede, vielleicht ist es faulheit, aber vor allem ist es angst. wenn ich lerne, will und muss ich eine gute note schreiben. niemand setzt mich unter druck. nur ich selbst. wenn ich nicht sofort etwas verstehe, breche ich ab und will nie wieder damit konfrontiert werden.
die soziale phobie macht es mir unmöglich, meine noten durch mündliche mitarbeit aufzubessern.
ich weiß nicht, wie es weitergehen soll mit mir und der faulheit und der angst. ich weiß nicht, wieso ich nicht versagen kann, es ist wie ein leistungszwang, ich bin ein haufen zwänge, mein ganzes leben ist von zwängen bestimmt.
ich müsste bio lernen, ich müsste wirklich wirklich dringend bio lernen, mein klassenlehrer hat mich vorhin aus ganz ernsten, fast wütenden augen angesehen, meine gesamte verdammte zukunft steht auf dem spiel.
für mich wäre eine nicht-versetzung das ende. ich müsste die schule abbrechen, weil es nur alles und nichts gibt. und doch. sitze ich nur hier, vor mir pläne, wie ich lernen will, alles durchgeplant, aber ich kann nicht anfangen. die angst lähmt mich. es ist nicht nur das thema doping (horrortripflashbacktriggernd), es sind noch sechs andere themen, es ist nur auswendig lernen und das kann ich doch.
aber die angst zu versagen ist stärker. das ist doch nicht mehr normal. ich schreibe lieber eine 5 und tue so, als wüsste ich genau, dass ich es besser könnte, wenn ich mich nur anstrengen würde, anstatt vielleicht sogar eine 2 zu schaffen und endlich diese erleichterung zu spüren, dass es funktionieren kann. aber was: wenn ich eine 5 schreiben würde, obwohl ich gelernt hätte, müsste ich mir eingestehen, dass ich wirklich schlecht bin. dass ich nicht nur so tue.
gute noten schreibe ich seit langer zeit nur noch in deutsch. alles andere ist glückssache, aber glück kommt nicht häufig vor.
ich fasse es nicht, dass es einzig und allein meine eigene verdammte schuld ist. ich mag mich nicht besonders. ohne mich wäre mein leben viel einfacher. ich mache alles kompliziert. ich jammere rum und habe noch immer nicht angefangen, irgendetwas zu tun.

Freitag, 18. März 2016

but now were stressed out

whish we could turn back time
to the good old days 
when our mommas sang us to sleep
but now were
stressed out -
ich will doch nur dass du mich festhältst. ich will, dass du mich in den arm nimmst und bei der hand nimmst und dass du mich lieb hast. ich will, dass wir gemeinsam lachen, gemeinsam backen, gemeinsam nachdenken, gemeinsam sind und ich will, ich will, ich will
ich will nicht müssen.
ich will nicht.
ich will nicht um dich weinen. ich will nicht sterben könnenmüssendürfen, weil du nicht da bist. 
ich will nicht sterben wollenmüssen, damit du da bist.
ich will nicht denken sterben zu müssen, damit du da bist.
ich hab eine waage, zigaretten, essen, klingen, beiße 3x vom keks ab, putze mir 3 minuten die zähne, fange links vom brot an zu essen, vergesse manchmal dass ich mich nicht totstellen muss und
egal wie viel sicherheit ich versuche mir zu geben.
du bist nicht da.
ich will sterben, weil du nicht da bist.
ich hasse jeden scheißgedanken in meinem kopf, der nach hilfe schreit und nach halt und nach dir, immer nur nach dir, meine welt dreht sich nur um dich, ich will dass du da bist und dich um mich sorgst und stolz auf mich bist und um mich weinst und mit mir und für mich. 
hört es irgendwann auf?
ich hab mich so gut unsichtbar gemacht
(ich habe meine stimme verschluckt, weil ich zu hastig kaute, als ich hunger nach dem leben hatte)
ich kann so selbstbewusst sein fake it 'til you make it und so tun
als ob ich alles über mich wüsste und auch 
dass ich mich mögen würde -
aber wie soll ich das fühlen.
und wie soll ich ein leben führen, wenn ich für und um dich lebe
vielleicht hört es nicht auf. vielleicht sollte ich sagen, dass es immer nur das war, was ich wollte. vielleicht sollte ich aufhören, in einer welt gebaut auf und aus lügen zu leben, vielleicht sollte ich zu meiner therapeutin nur einmal die wahrheit sagen, vielleicht sollte ich dafür brennen, dass es besser wird, vielleicht - irgendetwas hindert mich daran. 
ich schweige. die worte tun weh im magen, als ich sie runterschlucke.

Donnerstag, 11. Februar 2016