Dienstag, 31. Mai 2016

stumpfsinnig

ich denke: ich breche hier zusammen, ich kann hier nicht leben, ich muss hier weg.
aber das stimmt gar nicht. ich bin nur sehr sehr faul.
so faul, dass ich am liebsten den ganzen tag im bett liegen würde, anstatt zur schule zu gehen. aber da bin ich im moment sowieso nur sehr selten. wanderungen durch berlin, ich habe jetzt eine lieblingsbank und weiche dem blick meines klassenlehrers aus, wenn ich mich zu doppelmathe doch noch zur schule bemühe.
ich verhaue eine arbeit nach der anderen, weil mir der stoff von drei jahren schule fehlt, in denen ich pro halbjahr 20 - 40 fehltage hatte und nichts nachgeholt habe. mein klassenlehrer ist enttäuscht.
ich bin so faul, dass ich nichts mitschreibe, wenn ich mich denn mal zur schule bemüht habe und gespräche generell vermeide.
meine faulheit wird mir mein ganzes leben verderben. weiß ich.
meine versetzung ist gefährdet, mein klassenlehrer tut was er kann und die liebe josi: sitzt faul in der ecke und atmet luft aus staub. ich würde mich noch weniger mögen, würde ich mir selbst gegenüber sitzen und mir das ansehen müssen.
für freundschaften bin ich auch zu faul, wer braucht schon freunde, ich habe ein bett und ein kuscheltier (und keinen halt).
es ist so belastend, es ist immer nur alles und nichts. ich kann nicht für arbeiten lernen, das ist wirklich keine ausrede, vielleicht ist es faulheit, aber vor allem ist es angst. wenn ich lerne, will und muss ich eine gute note schreiben. niemand setzt mich unter druck. nur ich selbst. wenn ich nicht sofort etwas verstehe, breche ich ab und will nie wieder damit konfrontiert werden.
die soziale phobie macht es mir unmöglich, meine noten durch mündliche mitarbeit aufzubessern.
ich weiß nicht, wie es weitergehen soll mit mir und der faulheit und der angst. ich weiß nicht, wieso ich nicht versagen kann, es ist wie ein leistungszwang, ich bin ein haufen zwänge, mein ganzes leben ist von zwängen bestimmt.
ich müsste bio lernen, ich müsste wirklich wirklich dringend bio lernen, mein klassenlehrer hat mich vorhin aus ganz ernsten, fast wütenden augen angesehen, meine gesamte verdammte zukunft steht auf dem spiel.
für mich wäre eine nicht-versetzung das ende. ich müsste die schule abbrechen, weil es nur alles und nichts gibt. und doch. sitze ich nur hier, vor mir pläne, wie ich lernen will, alles durchgeplant, aber ich kann nicht anfangen. die angst lähmt mich. es ist nicht nur das thema doping (horrortripflashbacktriggernd), es sind noch sechs andere themen, es ist nur auswendig lernen und das kann ich doch.
aber die angst zu versagen ist stärker. das ist doch nicht mehr normal. ich schreibe lieber eine 5 und tue so, als wüsste ich genau, dass ich es besser könnte, wenn ich mich nur anstrengen würde, anstatt vielleicht sogar eine 2 zu schaffen und endlich diese erleichterung zu spüren, dass es funktionieren kann. aber was: wenn ich eine 5 schreiben würde, obwohl ich gelernt hätte, müsste ich mir eingestehen, dass ich wirklich schlecht bin. dass ich nicht nur so tue.
gute noten schreibe ich seit langer zeit nur noch in deutsch. alles andere ist glückssache, aber glück kommt nicht häufig vor.
ich fasse es nicht, dass es einzig und allein meine eigene verdammte schuld ist. ich mag mich nicht besonders. ohne mich wäre mein leben viel einfacher. ich mache alles kompliziert. ich jammere rum und habe noch immer nicht angefangen, irgendetwas zu tun.