Mittwoch, 8. Juni 2016

dinge

I
die erkenntnis, dass ich noch immer nicht für mich lebe, sondern dafür, dass meine eltern ein unbeschwertes leben führen können. nach jedem streit falle ich. tief. und wofür aufstehen, wenn nicht für sie? warum sollte ich für mich aufstehen?

II
sportunterricht, 26 grad, draußen. jess und ich sind schon zum sportplatz hingejoggt. es war ihre idee. jetzt sollen wir uns 10 runden einlaufen. protest. aber ich gehöre nicht dazu. ich laufe einfach. ich laufe und laufe, immer schneller, ich laufe den ganzen schmerz weg, bis ich irgendwann taub bin und nichts mehr fühle. die mädchen habe ich längst abgehängt. ich nehme nichts wahr, ich laufe nur. ich will nichts mehr fühlen.
"alter, josi!" ruft irgendwer, eine hand an meinem arm, lass mich - 
"josi, dein schnürsenkel ist offen."
"danke, ich weiß."
"mach ihn zu."
"ich laufe." ich laufe schneller. ich bin verwundert über den besorgten unterton seiner stimme.
irgendwann ist es auch für mich an der zeit, stehenzubleiben. mir ist übel, ich kann mich kaum auf den beinen halten, aber die sportstunde hat noch nicht einmal begonnen. am ende ist mein sportlehrer stolz auf mich.

III
irgendwann die wage erkenntnis, dass man heute noch nicht viel mehr als traubenzuckerwasser gegessen hat. und zu viele stunden sport dem gegenüberstehen.

IV
ein streit mit meiner lebensretterin, es zerreißt mich so sehr, wann haben wir uns so entfremdet? wann bin ich wieder so gefühlskalt geworden?

V
gestern abend noch ein telefonat geführt, mein allererstes seit monaten(!), mit achlys - danke, es tat so gut, nicht alleine zu sein, es war wunderschön und wichtig. <3

VI
gestern war einer der schlimmsten tage des jahres, es kam alles zusammen, meine labilität mit der unverständnis meiner eltern und freunde, es war viel zu viel.

VII
ich vermisse m-

VIII
nach mathenachhilfe ahnungslos, verschwitzt und ungeschminkt auf dem fahrrad sitzen. die frisur löst sich aus dem gummiband. ich trage widerwillig eine kurze hose, nach sport ging es einfach nicht anders. ich fahre einen anderen weg als sonst und dann auch noch rebellisch auf der anderen straßenseite. ich wollte eigentlich zu dm, aber entschied mich mittendrin um und dachte, ich würde doch lieber zu rossmann. liegt auch auf der strecke nach hause. noch immer ahnunglos trete ich in die pedalen und sehe ein mädchen entgegenkommen. objektive betrachtung, groß, rote haare. erster gedanke: hübsch. näher anschauen. sie schaut mich auch an. ich schaue noch länger, dann trifft es mich wie ein schlag, ich mache eine scharfe bremsung und falle dabei fast vom fahrrad. sie ist es. sie ist es. sie ist es.
seit 2013 gab es nichts, was ich mir mehr gewünscht habe. ich wollte sie nur noch einmal sehen. ich hielt immer ausschau nach ihr, in jedem supermarkt, in jedem geschäft, überall. wir schafften es, uns am 27.08.2014 zu treffen, aber es flog auf. seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen. zwischen dem 08.06.2016 und dem 27.08.2014 liegt so viel. viel mehr als die 651 tage. viel mehr als die 10 kilo.
und heute treffe ich sie wieder. es ist einer dieser ganz ganz komischen zufälle, es ist so unrealisierbar, unfassbar, unwirklich. ich bestehe auf ein beweisselfie. ich habe noch nie freiwillig von mir aus mit meinem handy ein selfie gemacht. aber das muss sein.
ich denke, ich will sie nie wieder loslassen. es ist nicht das letzte mal, dass wir uns getroffen haben. ich bin glücklich. ich bin so glücklich, für ein paar stunden, sie ist noch immer 100% vertrautheit, auch wenn inzwischen viel fremdes zwischen uns steht. sie ist nicht das mädchen, das 2013 gegangen ist, sie hat sich verändert, aber ich mich auch. und ich denke, wenn ich könnte, ich würde ihre welt sofort wieder ganz machen.

IX
einen teller nudeln essen. weiter traubenzuckerwasser trinken.

X
noch immer planlos vom leben sein. aber vielleicht erstmal die nächsten zwei jahre irgendwie überstehen. und dann ausziehen. ganz groß und fett auf meiner liste: ausziehen. das alles hinter mir lassen, ich will mein eigener mensch werden. und alleine entscheiden, was ich mitnehmen will. und was nicht.


Kommentare:

  1. Vielen, vielen Dank für deine Worte. <3

    Ich denke ganz fest an dich und schicke dir alle Kraft der Welt. Du bist ganz toll, ich hoffe das weißt du irgendwo ganz tief in dir drin. <3

    Alles, alles Liebe <3

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  2. Ich bin 20, deshalb könnte ich eigentlich selber entscheiden, ob ich in eine Klinik gehe oder nicht, aber ich weiß, dass meine Eltern recht haben, wenn sie mich mit 43 Kilo nicht auf Urlaub mitnehmen wollen weil es zu gefährlich ist...

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