Dienstag, 12. Juli 2016

josis allererstes treffen mit dem bohrer (zahnarzt)

ich habe zum allerersten mal in meinem leben "zwei winzige löcher" in meinen zähnen. irgendwie hatte ich diesen fakt aber verdrängt und war deshalb mehr als ein bisschen geschockt, als ich heute in der zahnarztpraxis aufschlug. ich dachte, fünf minuten prophylaxe, dann bin ich da wieder raus. aber nein. ich wurde an einen stuhl gefesselt, der raum war weiß, eine zahnärztin erklärte mir fröhlich, dass sie jetzt meine löcher füllen würde und schob mir ein weißes ding auf den mund, was schon mal die erste panikattacke verursachte. ich bekam zwei minuten zur beruhigung und starrte apathisch den einsamen luftballonaufkleber an der wand an.
"gehts wieder?"
"mhmh."
"sehr schön!"
dann fing sie an zu bohren.
die dumme josi bekam schon wieder eine panikattacke.
seufzen der zahnärztin.
entschuldigung meiner mutter, jaja es sind ihre ersten zwei löcher, wissen sie, ..
ich bin peinlich und weine, weil zwei komische weiße frauen über meinem mund hängen und sie mich vielleicht auch umbringen wollen. schmerzen, schwindel, erstaunlicher weise fühle ich absolut nichts. nichts nichts nichts. meine sicht wird unscharf, es ist ein bisschen wie eine traumreise mit offenen augen. das ist gut. lalala.
dann zieht ein atemberaubender schmerz durch meinen zahn (schlecht betäubt?!), ich reiße mir vor panik die haut an meiner hand auf und schlage mit dem fuß um mich ("nicht mit dem fuß schlagen!!! auf keinen fall mit dem fuß schlagen, sonst wackelt die ganze liege!!!").
ich fühle mich so scheiße, dumm und ungewollt, dass ich schon wieder heule. es tut mir so grausam leid für die zahnärztinnen, hallo, ich bin 16 und heule rum wie ein kleines kind. ich bin so peinlich peinlich peinlich.
"so, wir können den zweiten zahn auch noch machen, meinst du, du schaffst das?"
nein nein nein nein
"dann hast du's hinter dir", sagt meine mutter.
"mhm" mache ich apathisch, sie verstehen es als "ja", ich will wieder weinen, weil ich mich ungeliebt fühle, wieso nimmt mama mich jetzt nicht in den arm, ich will hier nicht mehr sein, hat sie mich nicht lieb, weil ich scheiße und peinlich bin?
es wird weitergebohrt, ich zähle luftballonaufkleber und sehe mama aus den augenwinkeln, meine fingernägel drücken sich in meine haut, aber ich spüre nichts von mir. wieder bin ich eine zeitlang extrem entspannt, ein paar zentimeter von dieser welt entfernt.
dann wie aus dem nichts die nächste panikattacke, ich bekomme keine luft mehr, heule rum und will mir diesen ganzen scheiß aus dem mund reißen. sicher hatten die heute noch nicht so einen scheißpatienten wie mich. aber interessiert mich auch nicht, die sitzen hier nicht auf dem stuhl und sterben tausend tode.
die zahnärztinnen sagen irgendetwas, von wegen, ob wir jetzt weitermachen können, ob es mir gut geht.
"josi?" fragt mama.
ich suche meine worte, ich finde sie nicht, ich bin so weit weg, ich glaube, ich kippe gleich um.
"josiii? alles gut?!"
panisch und orientierungslos irrt mein blick im raum umher, wie bewegt man die lippen, was macht man mit der zunge, wie erzeugt man worte? ich halte diesen scheiß hier nicht mehr aus.
ich lehne mich zurück in den stuhl, um den restmist über mich ergehen zu lassen. als ich endlich aufstehen darf, dauert es eine weile, bis ich alles begreife, was um mich passiert. ich trinke etwas und stehe vorsichtig auf, meine beine zittern so doll, dass ich das gefühl habe, nicht laufen zu können.
japp, das war mein phänomenales erlebnis des heutigen zahnarztbesuches. für niemanden eine freude. ich will nie nie nie wieder löcher haben und jetzt wird erstmal 20 jahre geschlafen. müde, zittrig, geschockt.