Samstag, 20. August 2016

immer im kreis, immer im kreis

september 2015. klassenfahrt. ich sitze auf der grünweiß gestreiften bettdecke in einer abgeranzten jugendherberge. der geruch meiner selbstgemachten müsliriegel erfüllt den raum. alle, die uns besuchen kommen, regen sich darüber auf. aber es ist das einzige "safe" essen, das ich noch besitze. die haferflocken, die ich mir mitgenommen habe, esse ich morgens mit wasser. ein paar tage später esse ich nur noch das wasser. ein halber müsliriegel, das ist alles, was ich mir erlaube. im internet habe ich gelesen, dass wunden nicht verheilen, wenn man dem körper nichts zuführt. wenn meine wunde nicht verheilt, darf ich keinen sport machen. es ist ein zwiespalt. also mache ich trotzdem sport. der arzt, der meine svv wunde behandelt, ist sowieso blöd. ich habe angst vor ihm. ich glaube, ich bin ihm egal. aber er ist nur eine randfigur im geschehen.
ich esse nicht mehr als 100 kalorien am tag und wiege nur wenige kilo über der klinikgrenze. der leidensdruck wird mit jedem tag stärker. die magersucht ist mächtig. ich sehe über kreislaufprobleme, ausfallende haare und panikattacken hinweg. diese tränen gehören nicht zu mir. ich kann am wenigsten essen, ich kann am schnellsten laufen, ich kann am weitesten rennen. diese tränen gehören nicht zu mir. ich bin stärker als ihr alle, seht mich doch an, seht mich fallenfliegen. und ich bin es auch, die am meisten zusammenbricht, die mitten in der nacht auf dem flur steht und um sich haut und schreit, weil sie alles nicht mehr aushält. ich bin es auch, die von nun an unter beobachtung essen muss und es trotzdem nicht tut. der wunsch ist wie immer der gleiche, umzukippen. es passiert nicht. es passiert einfach nicht. //

Kommentare:

  1. Ich will das vorsichtig sagen. Und ich will dir sagen, dass das, was ich sagen will, altklug klingen mag und unnötig arrogant und wie ein dummer, dummer Ratschlag eines dummen Menschen, der nichts versteht.

    Ich hoffe, dass das nicht so ankommt, aber falls doch, bitte verzeih mir das - ich will nicht grenzüberschreitend sein und nicht heftig und schon gar nicht will ich dir weh tun.

    Aber Josi.
    Wir haben den 21.08.2016.
    Heute. Heute. Heute.
    Du bist da und du atmest in diesem Moment und wahrscheinlich schläfst du grade, aber morgen wachst du auf und bist da. Und du bist nicht 2014 und nicht 2015 und du bist auch nicht dein zukünftiger Suizid - du bist einfach. Da.

    Und du tust dir selbst so sehr weh, wenn du dich an diese Erinnerungen klammerst, du reißt dir immer wieder von Neuem die Haut auf, wenn du denkst, wie dünn du warst und wie krankkrankkrank und müde, wie dünn und wie verzweifelt und hungrig und

    Josi. Du bist. In diesem Moment.
    Und ich weiß, wie schwer es ist, in der Zeit zu leben, die grade ist. Und ich weiß, dass die Vergangenheit immer drückt und brennt und weh tut und man will dahinzurück aber auch nie wieder und es war die schlimmste Zeit aber gleichzeitig war man gesehen und man will glücklich sein, aber gesehen - all das weiß ich, Josi. Du wurdest übersehen, viel zu oft.

    Und ein bisschen tun wir das alle, ich denke und schreibe und rede auch andauernd über die Zeit und alles, was ich jetzt sage, kann ich selbst nicht im geringsten so leben, bis jetzt, aber ich wünsche es mir eines Tages und dir, dir wünsche ich es auch.

    Denn wenn du dir daran die Haut aufreißt, immer weiter, dann schreibst du 2020 über 2016, wie es weh tat, wie du zurückfielst, immer und immer wieder, weil das Grundproblem bleibt, und es wird sich nicht ändern, weil du nicht da bist, du bist soweit weg und so viel im Gestern.

    Erschaff dir ein Umfeld, dass dich sieht. Freunde, die dich halten, gute Gesprächspartner, schöne Momente. Mach dein Heute zu einem Heute, das es wert ist, dass du dich in einem Jahr daran erinnerst als eine Zeit, in der du da warst.

    *Pathetische Rede aus*

    Ach, und Josi?
    Ich hab dich lieb.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist ne sehr tolle pathetische Rede, wow. Schön, dass du das so gut in Worte fassen kannst und josi, ich wünsch dir das auch so sehr, da sein, jetzt sein <3

      Löschen
    2. Genau nach solchen Worten habe ich gesucht und nicht gefunden. Sie sind so, so verdammt wichtig!

      Löschen
  2. ich habe leider keine ahnung von diesem thema. deswegen beantworte ich wohl lieber einfach dein kommentar zu meiner to do seite und lasse die anderen helfende oder schöne worte schreiben.

    ja berlin stwht noch aus, aber nicht mehr lange. im september gehts für ein paar tage dort hin.
    das mit dem periodensystem finde ich auch cool. cooler wäre es, wenn man das als chemiker nicht sowieso müsste :D

    AntwortenLöschen