Montag, 26. September 2016

knochen können brechen

(der wievielte post ist das jetzt, den ich anfange-)
der kreis schließt sich enger. irgendwann werde ich aufhören zu atmen. es ist die müdigkeit die sich über mich legt, damit ich mich nicht rechtfertigen muss. ich schaue der angst nicht in die augen, habe es noch nie getan.
ja, es ist verdammt viel angst da, aber ich bemerke es nur, wenn ich genau hinschaue. schlaflose nächte, seit wochen wochen wochen. immer wieder angstzustände und panikattacken in unterschiedlichen schweregraden, aber das kann man gut wegdrängen. nicht darüber nachdenken, dann ist es nicht einmal schlimm.
aber dann sitze ich vor meiner lehrerin und rede mit ihr über ärztliche bescheinigungen und ja, es ist verdammt viel angst da. so viel angst, dass ich lieber tot sein will, als mich vor diese klasse zu stellen. ist das jetzt ein schritt zurück oder habe ich einfach nur angst, weil das alles neu ist und ich seit meinem todesdatum keinen vortrag mehr gehalten habe? habe ich vielleicht gar keine angst davor sondern angst vor der angst, die ich damals spürte?
ich wäre gerne wieder magersüchtig, so richtig, denke ich, während die rittersportschokolade in meinen mund wandert. fett bist du geworden, josi. zehn kilo weg, dann musst du nicht einmal mehr den mund aufmachen, dann kann jeder ihn sehen, den schmerz. hach ja, wie schön wie schön.
ich bin verliebt ins sterben.
ich esse fleißig weiter alles, was in den mund passt.
alles andere ist verdammt anstrengend und atmen am meisten.
und schule erst.
aber ich gehe hin und ich habe auch lieblingsfächer und lieblingslehrer und lehrer, die zuhören und verdammt viele freistunden. und eine clara, die mir oft ein lächeln ins gesicht zaubern kann. it's magic.
meine therapeutin will, dass ich einen vertrag mit mir selbst abschließe. ich will aber nicht. ich will mir nicht selbst versprechen müssen, dass ich aufstehen und arbeiten und lernen und essen und atmen und brav sein muss. ich bin ohnehin nur noch eine woche bei ihr in therapie.
das erstgespräch scheint welten entfernt zu liegen. der 20. juni und ich bin an den 100 tagen verzweifelt. ich hatte keine ahnung, wie ich diese lange zeit überstehen sollte. jetzt sind es nur noch 10. ich hab angst, obwohl ich weiß, dass am anfang nicht einmal etwas passieren wird.
sie wird mir die krankheit nicht vom körper reißen. ich selbst auch nicht. von daher. 
so viel ist passiert in den 100 tagen und irgendwie auch nicht. aber keine zeit vergeht, ohne dass man nicht ein winziges bisschen über sich selbst lernt.
ich habe mir einen freund geangelt, herumidealisiert und vermeide seit mehr als zwei wochen jeden kontakt zu ihm. das klingt nach dem girlfriend, das sich jeder wünscht.
ich hoffe, dass meine müdigkeit mich die nächsten tage aufstehen lässt. ich habe klausuren. und man, es ist verdammt viel angst da und irgendwie tut das ziemlich weh, fuck.