Freitag, 28. Oktober 2016

i'm only human

wie es mir geht, werde ich gefragt, was ich jetzt so mache. manchmal überlege ich, wie ehrlich ich darauf antworten soll. es bleibt dann meistens bei einem "gut gut" und "die schule, abi und so, ne."
und in mir drin die angst, sie könnten die wahrheit in meinen augen ablesen. dabei hab ich das lügen genauso perfektioniert wie das unsichtbarsein.
die wahrheit ist, mir geht es nicht gut gut und die schule läuft den bach runter. wie es eben immer bei josi ist. seit jahren. es gibt nichts neues zu erzählen, ich renne durchs leben ohne anzuhalten, bin immer auf der suche nach dem superlativ, empfinde zu heftig oder zu wenig, es hat sich nichts geändert.
ich habe kein leben. ich rede davon, mich aufgeben zu wollen und habe es doch schon längst getan. die schule zerfließt zwischen meinen händen, seit jahren unfähig, den arsch hochzubekommen und was zu tun. das mit dem abi lassen wir mal in den sternen stehen, bisher verschwindet das wort hinter leeren tablettenschachteln. not sorry for nothing. ich hungere mich hin und her, schneide mich zwischendurch ein bisschen, kann nicht schlafen, auch das ist nichts neues.
ich rede die ganze zeit davon, ich müsste noch weniger platz einnehmen und noch weniger platz einnehmen und noch weniger sein -
dabei rede ich kaum, esse ich kaum, schreibe ich kaum, selbst atmen tue ich langsam. ich habe keine hobbies, treffe mich nicht mit meinen freunden, ab und zu mal mit clara. das haus verlasse ich nur, um zur therapie und zur nachhilfe zu gehen. alleine bekomme ich nichts auf die reihe. den vormittag verbringe ich in der schule, wenn ichs hingeschafft habe, ansonsten im bett. den nachmittag verbringe ich im bett. oder auf meinem schreibtischstuhl. dabei bade ich in meinem selbstmitleid, plane suizide, bin zwanghaft as fuck und der meinung, noch immer viel zu viel platz einzunehmen.
das ist mein leben, das ist mein verdammtes leben, ich bin sechzehn jahre alt und mache den ganzen tag lang nichts außer scheiße drauf zu sein. 
dann hangele ich mich von datum zu datum und schreibe ein paar texte zwischendurch und esse eine zeitlang viel zu viel und dann wieder zu wenig und vergesse zur schule zu gehen und vergesse zu essen und geh kaputt an meiner aufmerksamkeitsgeilheit. wie immer. 
aber. ich bin dabei zu ändern. ganz langsam. vorsichtig. und auf keinen fall dauerhaft, denn dazu bin ich noch viel zu traumatisiert. es ist der schokokeks zwischen frühstück und mittagessen. es ist um 10:30 schon aufzustehen. es ist der versuch, die straße ohne realitätsverlust oder panikattacke hinunterzulaufen. es ist, sich durch die matheaufgaben zu arbeiten und prioritäten zu setzen. und dann gibt es tage, da wird mir schon vom wort "schule" übel, da will ich nie wieder essen anfassen, da habe ich suiziddruck oder angstzustände. aber es geht im moment nicht um heilung, noch nicht, natürlich nicht. der winter kommt und er wird einziehen in meinem herzen, wie jedes jahr, weil ich es so will, weil ich mich jeden tag neu fürs sterben entscheide, weil ich nicht anders kann.
aber ich bin dabei zu ändern. damit ich eines tages einen winter überstehen kann, ohne ihn in meinen körper zu holen.

Montag, 10. Oktober 2016

weiter nach unten

ich bin müde und dann irgendwie auf dem fahrrad und dann irgendwie auch in der schule, aber so unendlich weit weg von allem. heute ist kein "ich gebe auf mich acht"-(schul)tag. 
chemie ist der einzige kurs, den ich zusammen mit glitzer habe und etwas anderes erfreuliches als glitzer erwartet mich da auch nicht. wir sitzen in der letzten reihe neben den beiden vielzuehrgeizigen mädchen, die sich über radioaktivität und formeln unterhalten. wie sehr ich auch versuche, mich zu konzentrieren, jeder gedanke führt ins leere. glitzer starrt schon die ganze zeit ihr handy an.
ich denke darüber nach, wie ein mensch so unglaublich schön und kaputt gleichzeitig sein kann. für mich passt das nicht zusammen, entweder das eine oder das andere. wenn man kaputt ist, ist man nicht mehr schön. wer sieht sich schon gerne scherben an. und glitzer schafft es, beides zu sein. ich werde fast noch müder von dieser erkenntnis. es geht immer noch weiter nach unten, einen boden gibt es nicht.
ich lehne meinen kopf an glitzers schulter, atme ihren vertrauten geruch ein und schaue ihr beim whatsappen zu. um uns herum menschen, die über chemie reden und dazwischen wir, sehr still, sehr müde, sehr vertraut in dieser müdigkeit.
"ich werde nach den ferien in stationäre behandlung gehen", sagt sie dann.
ich atme weiter, voguezigaretteledererdbeerparfüm, ich schaue auf glitzers spiegelung im handydisplay, ich sage
"nach [psychiatrie A]?"
"keine ahnung, kann sein."
"okay" sage ich und mache die augen zu. einen boden gibt es nicht.

Sonntag, 9. Oktober 2016

i'd rather be high with you

 36,6
ich hätte mich selbst niemals sterben lassen
niemals
es war immer nur ein machtspiel
mein ganzes leben lang
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ich bin so schrecklich traurig. ich weiß nicht, warum. also fange ich an zu schreiben.
in worte fassen, was so sehr wehtut, irgendwann kommt man immer an ein ziel. die traurigkeit schreibt für mich und dann trägt sie einen namen und hat zwei beine und keine augen
und dann steht es vor mir, schwarz auf weiß. die traurigkeit nimmt es nicht davon.
nur sekunden später ist das leben unecht und ich nur eine traumfigur in irgendeinem geschehen. mein blick gräbt sich in die gegenüberliegende wand und alles was ich spüre, ist diese zerreißende traurigkeit. ab ins nirvana.
eine oreo milka schokolade und weitere schlaflose nächte darauf.
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ich hab da diesen freund. momentan herrscht funkstille zwischen uns, weil the supercool girlfriend josi schon wieder angst vor ihm bekommt. don't fucking touch me. und es ist so einfach, seinen freund zu vergessen, wenn er 6000 kilometer und 6 zeitstunden entfernt lebt. ich erinnere mich, wie verliebt ich war, in den sommerferien. but maybe i never felt inlove with you - maybe i felt inlove with my happiness. genauso erinnere ich mich, wie scheiße alles wehtat. (ich überlege, ob ich überdurchschnittlich viele schimpfwörter benutze und finde keine antwort auf diese frage. deswegen kreuze ich die 1 an). und dann bin ich zurück in deutschland und hier klebt die angst an den wänden und in diesem bett bin ich mindestens viermal gestorben und wieder aufgewacht und in meinem tagebuch schreibe ich über ganz andere liebe.
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manche dinge ändern sich nie, und was wenn sich nie etwas ändert außer den blättern an meinem kalender, fragte ich mich am 04.12.2015,
letztendlich ist alles nur verdrängung aber nie vergessen
13:28 uhr // ich will jemanden ganz anders lieben dürfen 
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vor mir liegt andré derains "im hyde park". das papier ist glatt. ich schicke die nachricht über whatsapp, aber er hat sein handy aus. ich denke an nichts mehr. zwischen den zeilen steht etwas von hoffnung, aber ich habe keine hoffnung auf ein "wir" mehr, ich will sie gar nicht haben. und es fühlt sich einfach nur gut an.