Montag, 4. September 2017

du fällst so schnell

es ist egal, wie sehr ich sterbe, genug gestorben bin ich nie. mein schmerz ist nicht greifbar, scheine ihn nicht in worten ausdrücken zu können, auch nicht in taten.
ich tue so weh! sage ich und zeige ich.
ich weiß, ich weiß doch! sagen sie.
aber niemand scheint es wirklich zu wissen. es fühlt sich nicht so an. auch wenn so viele voller so viel mitfühlen sind. ich tue mehr weh, als ich je beschreiben könnte. als ich je schneiden könnte. als ich je sterben könnte.
ich will, dass sie alle meinen schmerz sehen.
ich will so tief schneiden, so viel trinken, so viel tabletten schlucken und hungern und sterben sterben fast sterben, bis sie ihn sehen, bis sie ihn fühlen.
zwangsgedanken. du musst du musst du musst musst musst!
nachts liege ich wach und atme die decke an.
es bringt mir nichts. es bringt mir nichts. nichts wäre genug. nur verlorene zeit. selbst wenn ich mich jetzt schneiden würde, würde ich heulen solange ich nicht auf die notaufnahme komme und wie lange soll das schon reichen. beim nächsten mal nicht mehr. beim nächsten mal reichen nicht nur äußere stiche. ich will innere. ich will mir den arm amputieren. ich will nicht mehr atmen können vor schmerz. ich will unendlichen schmerz.
ich will, dass sie alle sehen, wie unfassbar weh ich tue. wie viel schmerz in mir drin ist, so so viel schmerz.

Montag, 31. Juli 2017

one day

als ich in der dritten klasse war, habe ich mich das erste mal bewusst von der welt entfernt. ich fand es unangenehm und beängstigend. ich rollte mich zusammen und wartete, bis es vorbei war.
dann ging ich zu meinem bruder und sagte "ich war gerade in einer traumwelt. hast du so was auch manchmal?"
"ja, ich hab so was auch manchmal", sagte er. ich lächelte erleichtert und ging wieder in mein zimmer. dann war es wohl normal und ich musste keine angst haben.
ich versuchte, es zu kontrollieren. es gelang mir nicht. auf die idee, mit irgendwem darüber zu reden, kam ich nicht. kommunikation war in unserer familie noch nie eine stärke und probleme sind nicht zu gebrauchen. ich hatte eigene verrückte erklärungen. zum beispiel, dass ich in echt gar nicht lebte oder eine entführte elfe war oder oder oder.
innerhalb meiner versuche, die dissoziativen zustände zu kontrollieren, bemerkte ich, wann und wie die dissoziationen sich verstärkten.
einmal war ich auf einer sportfreizeit. ich wollte nicht essen, weil ich essgestört war. ich wollte lieber die ganze zeit sport machen und abnehmen. ich wurde angeschrien. ich musste sitzen bleiben und aufessen, was mir vorgesetzt wurde. sie machten mir angst. ich fand, dass sie mich hassten. ich wollte nach hause. ich musste mit ihnen im auto fahren. es war immer voll in dem lieferwagen, wir saßen zusammengequetscht und ich dachte, dass alle mich hassen. es lief ein ganz bestimmtes lied. und ich beamte mich einfach weg.
wie damals, wie immer. es war so schön, einfach und schmerzlos.
ab da beamte ich mich immer weg.
es war 2010.
das lied war auf englisch, ich konnte kein englisch. aber das war auch nicht wichtig. zuhause sang ich die ganze zeit dieses lied rauf und runter. viele viele jahre blieb es in meinem kopf und ich verband es mit dieser erinnerung, wie ich im auto aß voller angst und scham und die melodie mich davontrug.
(ich dachte ich hätte eine magische gabe, die mich wegbeamen kann)
2015 beschloss ich, den songtitel des liedes herauszufinden, das ich nach 2009 nie wieder gehört hatte. ich erinnerte mich an die melodie, mit meinen zusammengereihmten wörten und suchte einige wochen mehrere chartslisten durch, hörte mir jedes lied an, bis ich "mein lied" fand. ich bin unglaublich aufgeregt durchs ganze haus gesprungen und wusste nicht- wusste nicht- wie kann ich ausdrücken, was dieses lied mir bedeutet, wie dieses lied mir geholfen hat.
also behielt ich es einfach für mich.

Dienstag, 4. April 2017

entwurf vom 01.02.2017

depression ist scheiße, dafür sind die tage umso schöner, an denen man für einige lichtblicke atmen, spüren, genießen kann. und vielleicht sollte ich den ganzen schulstoff der letzten monate nachholen, vielleicht sollte ich X oder Z tun oder nicht tun -
aber darauf kann ich keine rücksicht nehmen.
im moment will ich einfach nur so viele lichtblickmomente sammeln wie möglich ohne rücksicht auf irgendwas, will jede sekunde mit meinen freunden genießen, will es genießen wie ich es liebe ihre stimme zu hören, will mein ganzes geld ausgeben für kurze momente der zufriedenheit, will alles atmen zulassen, das irgendwie möglich ist.
die dunkelheit kommt schon schnell genug. ständig. und auch dann werde ich mich (erst recht) nicht an irgendwelchen schulstoff setzen, mich vermutlich überhaupt nirgendwo hinsetzen, aber darauf kann ich keine rücksicht nehmen.
ich habe das recht, das leben so entspannt anzugehen wie irgendwie möglich. ich lasse mich nicht als "faul" abschreiben von menschen, die meine krankheiten nicht verstehen, die genervten blicke von mitschülern gehen mir am arsch vorbei und dass mein zeugnis schlecht ist sowieso.
was für euch der alltag ist kostet mich kraft die ich erst lernen muss wieder aufzubringen und was wisst ihr schon über mich außer dass ich nie etwas sage, ihr wisst nicht was ich geben würde um nicht mehr diese stumpfe leere zu fühlen, was ich geben würde um kraft zu haben, (und ihr wisst auch nicht von den schwärzesten schwarzen tagen) wie verdammt schwer es sein kann nur zu atmen, wie soll ich da bitte in die schule gehen ohne zusammenzubrechen, ihr wisst nichts nichts nichts und ich lasse mich nicht als faul abschreiben.
ihr kämpft meine kämpfe nicht.

Freitag, 24. März 2017

entgegengesetzt

triggerwarnung.

ich will klingen in meine haut rammen, ich weiß nicht wie ich den sommer aushalten soll, ich weiß nicht wie ich den letzten sommer ausgehalten habe. ich will klingen in meine haut rammen. ich habe keine klingen mehr. ich habe auch keine lust, nächste woche bei sommerlichen temperaturen langärmelig oder mit verband herumzulaufen, ich habe auch keine lust, nach erklärungen zu suchen. ich will klingen in meine haut rammen. ich will nicht schlafen, ich will nicht träumen, ich will nicht aufwachen. manchmal will ich einfach nur noch weg sein. weg weg weg.

Mittwoch, 22. März 2017

jammerpost

ich bin ja nicht blöd, ich will mir ernsthaft nicht das leben nehmen und ich will auch nicht wieder so viel drama machen und mit krankenwagen und polizei auf die geschlossene gebracht werden und ich würde auch gerne schlafen können ohne beruhigende todesgedanken. ich bin ja nicht blöd, ich weiß, dass ich nicht sterben will und dass ich tage durchheulen werde, wenn ich die therapie abgebrochen habe und das alles, was am ende bleibt, ich selbst bin.
und ich verzweifele. ich habe panik. ich habe angst vor der endlosen antriebslosigkeit, der müdigkeit, der erschöpfung von nichts. ich sitze in der schule herum und kann mich nicht dazu bringen, das arbeitsblatt vor mir auf dem tisch auch nur anzurühren, ich will viel lieber ins bett, ich will schlafen. und ich hasse gruppenarbeiten und wie soll ich das in worte fassen, sorry, ich bin ein bisschen faul, blöd und unmotiviert, seid bitte nicht enttäuscht.
und ich verzweifele. an den erinnerungen. die ich in jedem schritt finde, in gerüchen, in stimmen, in narben, worten, fotos. ich verzweifele, weil ich verwirrt bin, weil man mich verwirrt, weil man nicht erklärt, weil man mir die worte verbietet.
ich habe keine kraft für die schule, für die klausuren, dabei mag ich meinen jahrgang und meine lehrer so gerne, ich wünschte ich müsste das nicht verlieren. ich habe keine kraft generell. ich will klavier spielen oder einfach nur mal wieder was schreiben, ich will die ganzen hobbys zurück, die ich aufgegeben habe, als die müdigkeit kam. ich bin verzweifelt, weil etwas auf mir drauf sitzt und alle kraft aus mir zieht.
ich dissoziiere seit der klinik ständig. vielleicht ist es letztlich auch nur die jahreszeit und die ekelhafte wärme, die ich nicht aushalten kann. es ist anstrengend und beängstigend, nach wie vor, und ich kann mich weiterhin nicht ohne hilfe von außen (körperkontakt, körperreize etc.) daraus lösen.
außerdem hasse ich meine therapie, ich hasse hasse hasse sie, weil sie schrecklich wehtut und ich das nicht aushalten kann und nicht annehmen will. aber ich habe mein herz an diese therapeutin gehängt und habe so ungemein viel erreicht und gelernt.
mir geht es gut, wenn es mir schlecht geht. nur dann bin ich richtig entspannt. wenn ich weiß und spüre, dass es mir schlecht geht. alles andere ist beängstigend.
ich kriegs halt irgendwie nicht hin. ich bin ja nicht blöd, ich will mir ernsthaft nicht das leben nehmen, aber warum tut mein leben mit jedem tag einfach nur noch mehr weh.

Mittwoch, 8. Februar 2017

im freien fall

bitte helft mir kurz, eine entscheidung zu treffen.
ich beschreibe kurz die momentane lage, zähle pros und contras auf und ihr helft mir diese klinikscheiße zu entscheiden.

ich hatte ja echt die hoffnung, das hinter mir zu haben, aber nun gut.
ich wiege nicht mehr 36 kilo und frage mich gerade, wieso zum fick hab ich eigentlich überhaupt angefangen zu essen, wenn jetzt alles umsonst war??? aber gut. egal.
momentan sieht es so aus.
ich kann keine verantwortung für mich übernehmen, wenn man sich nicht um mich kümmert, tue ich es auch nicht. im alltagsstress hat man nicht die zeit, sich so intensiv um mich zu kümmern, wie ich es nötig hätte. ich habe auch keine worte, auszudrücken, was ich will und könnte es vor mir selbst nicht verantworten, verantwortung zu übernehmen. (lol)
meiner mama geht es zurzeit durch private gründe auch wirklich nicht gut, im gegensatz zu mir ist sie aber stark und kümmert sich trotzdem noch wo sie kann, geht zur arbeit, schmeißt den haushalt und so weiter. sie hat nicht die kraft und die zeit, sich um mich zu kümmern.
ich bin momentan leider wieder an einem punkt, wo ich komplett jeden bezug zu mir verloren habe. alles ist sinnlos, ich sehe keine zukunft, keinen ausweg, erlaube mir nicht zu trinken, esse bis mir schlecht ist, schnippel am körper rum, laufe vor autos, blabla.
ich kann nicht in die schule gehen. es funktioniert nicht mehr. überragende fehlstunden. keine konzentration, keine energie. ständig breche ich irgendwo zusammen, weil das leben sich viel zu anstrengend anfühlt es meistern zu können.
ich gebe ganz offen zu, nicht stark zu sein. absolut überhaupt nicht. ich esse vielleicht, nehme tonnen zu, aber das macht nichts besser, es füttert nur meinen selbsthass.

ich will ungerne in eine klinik. erstens habe ich angst vor neuen dingen, neuen menschen etc. ich denke, man kann sich daran gewöhnen. ich müsste die stufe wiederholen, neue lehrer, neue menschen, noch ein weiteres jahr in der schule hocken. okay. dann ist das vielleicht so.
aber das schlimmste ist, dass ich meine therapie pausieren müsste. meine mutter ist ganz doll wütend und enttäuscht, weil sie der meinung ist, dass frau dr. T. alles nur noch viel schlimmer gemacht hat und sie will unbedingt, dass ich die therapie abbreche und stationär gehe und danach eine andere therapeutin suche.
ich hänge ganz unglaublich an frau dr. T., habt ihr ja mitbekommen. und ja, ich hänge ein bisschen zu sehr an ihr. aber das hat seine gründe. und ich kann mir einfach nicht vorstellen, wochen oder monate ohne frau dr. T. zu sein, ich will mir das einfach nicht vorstellen.
ich weiß einfach gar nicht überhaupt nicht was ich tun soll.
hier zuhause geht alles den bach runter (ja auch nicht erst seit gestern), man kann mich nicht tragen, aber ich weiß nicht, ich weiß einfach nicht ob ich das kann, in eine klinik gehen.
ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, kann mir bitte jemand helfen, ich weiß nicht weiter verdammte scheiße. :(

Samstag, 28. Januar 2017

was ich mir wünsche

eines tages will ich leben können, wirklich wahrhaftig uneingeschränkt leben können, das ist mein größter wunsch. nicht die art von leben mit dem suizid noch in der hintertasche. nicht die art von leben um den rückfall vier monate später schon zu planen. die art von leben, in der man seine klingen wegschmeißen kann, weil man sie nie wieder brauchen will und wo man nicht einmal auf die idee kommt, über die straße zu laufen, obwohl gerade autos fahren.
ich möchte abschließen mit den krankheiten, ich möchte mir erlauben sie gehen zu lassen und ein leben ohne sie aufzubauen.
ich weiß, dass das ganz große ziele sind, die ich nicht in diesem jahr oder nächsten jahr erreichen werde. aber ich kann mich auf den weg machen. damit ich es nicht noch weiter hinauszögere.
natürlich ist es hart. unglaublich. verdammt. schrecklich. hart.
aber ich weiß, wofür ich kämpfe. und ich will so unbedingt dahin.

Samstag, 7. Januar 2017

mein leben ist zu hässlich geworden, um es noch in schöne worte zu packen.