Montag, 31. Juli 2017

one day

als ich in der dritten klasse war, habe ich mich das erste mal bewusst von der welt entfernt. ich fand es unangenehm und beängstigend. ich rollte mich zusammen und wartete, bis es vorbei war.
dann ging ich zu meinem bruder und sagte "ich war gerade in einer traumwelt. hast du so was auch manchmal?"
"ja, ich hab so was auch manchmal", sagte er. ich lächelte erleichtert und ging wieder in mein zimmer. dann war es wohl normal und ich musste keine angst haben.
ich versuchte, es zu kontrollieren. es gelang mir nicht. auf die idee, mit irgendwem darüber zu reden, kam ich nicht. kommunikation war in unserer familie noch nie eine stärke und probleme sind nicht zu gebrauchen. ich hatte eigene verrückte erklärungen. zum beispiel, dass ich in echt gar nicht lebte oder eine entführte elfe war oder oder oder.
innerhalb meiner versuche, die dissoziativen zustände zu kontrollieren, bemerkte ich, wann und wie die dissoziationen sich verstärkten.
einmal war ich auf einer sportfreizeit. ich wollte nicht essen, weil ich essgestört war. ich wollte lieber die ganze zeit sport machen und abnehmen. ich wurde angeschrien. ich musste sitzen bleiben und aufessen, was mir vorgesetzt wurde. sie machten mir angst. ich fand, dass sie mich hassten. ich wollte nach hause. ich musste mit ihnen im auto fahren. es war immer voll in dem lieferwagen, wir saßen zusammengequetscht und ich dachte, dass alle mich hassen. es lief ein ganz bestimmtes lied. und ich beamte mich einfach weg.
wie damals, wie immer. es war so schön, einfach und schmerzlos.
ab da beamte ich mich immer weg.
es war 2010.
das lied war auf englisch, ich konnte kein englisch. aber das war auch nicht wichtig. zuhause sang ich die ganze zeit dieses lied rauf und runter. viele viele jahre blieb es in meinem kopf und ich verband es mit dieser erinnerung, wie ich im auto aß voller angst und scham und die melodie mich davontrug.
(ich dachte ich hätte eine magische gabe, die mich wegbeamen kann)
2015 beschloss ich, den songtitel des liedes herauszufinden, das ich nach 2009 nie wieder gehört hatte. ich erinnerte mich an die melodie, mit meinen zusammengereihmten wörten und suchte einige wochen mehrere chartslisten durch, hörte mir jedes lied an, bis ich "mein lied" fand. ich bin unglaublich aufgeregt durchs ganze haus gesprungen und wusste nicht- wusste nicht- wie kann ich ausdrücken, was dieses lied mir bedeutet, wie dieses lied mir geholfen hat.
also behielt ich es einfach für mich.